Welche Ausbildungsmethoden gibt es?

Um den verschiedenen Lerninhalten und Lernbereichen bei der Vermittlung der Ausbildungsinhalte gerecht zu werden, gibt es verschiedene Ausbildungsmethoden zum Beispiel den Kurzvortrag, das Lehrgespräch, die Vier-Stufen Methode, die Projektmethode, die Leittextmethode, die Fallmethode und das Rollenspiel.

Auch für Ihre AEVO-Prüfung müssen Sie die verschiedenen Ausbildungsmethoden kennen, wissen wann diese sinnvoll eingesetzt werden können und die passende Ausbildungsmethode für Ihre Inhalte auswählen.

Zwei für die praktische AEVO-Prüfung besonders wichtige Ausbildungsmethoden sind die 4-Stufen-Methode und das Lehrgespräch.

Der Ablauf ist bei beiden Ausbildungsmethoden vergleichbar aufgebaut:

  • Einstieg in die Ausbildungssituation
  • Durchführung (Stufe 2 und Stufe 3 bei der 4-Stufen-Methode)
  • Abschluss

In der Einstiegsphase begrüßen Sie den Auszubildenden. Falls Sie sich bislang nicht kennen sollten, was zum Beispiel der Fall ist, wenn der Auszubildende für die AEVO-Prüfung von der IHK gestellt wird, stellen Sie sich vor und berichten Sie kurz über Ihren beruflichen Hintergrund, Ihre Aufgaben und Ihr Unternehmen. Um mit dem Auszubildenden vertraut zu werden, fragen Sie nach seinem Ausbildungsberuf, seinen Aufgaben im Unternehmen sowie seinen bisherigen praktischen Erfahrungen.

Wenn Sie den Auszubildenden bereits kennen, dann ist an dieser Stelle freundlicher „Small Talk“ der Situation angemessen. Das können Fragen sein wie „Was haben wir beim letzten Mal gemacht?“, „Wie bist du dabei vorgegangen?“, „Was weißt du noch davon?“. Lassen Sie den Auszubildenden die bekannten und relevanten Inhalte wiederholen. Damit können Sie die Atmosphäre etwas auflockern und den Auszubildenden (und sich selbst) beruhigen, damit er bereit ist, sich auf die gleich folgenden Lerninhalte einzulassen. Fragen Sie ihn auch, ob es ihm gut geht und ob er sich gerade dazu in der Lage fühlt, etwas Neues zu lernen.

Der Azubi muss das Lernziel einer Ausbildungseinheit kennen

Ein Lernziel wird nicht durch die Dauer gekennzeichnet, die der Auszubildende braucht, um sich die Verhaltensänderung anzueignen. Nennen Sie dem Auszubildenden zunächst das Lernziel dieser Ausbildungseinheit. Das ist sowohl für die AEVO-Prüfung als auch für die Praxis ein relevanter Punkt. Dadurch weiß er bereits vor dem Beginn der Ausbildungseinheit, was auf ihn zukommt, und kann reflektieren, ob er verstanden hat, worum es geht. Dem Lernziel kommt dabei auch die Aufgabe zu, den Auszubildenden zu motivieren.

Neue Lerninhalte sollten an das bereits Bekannte anknüpfen. Um zu wissen, worauf Sie überhaupt aufbauen können, müssen Sie die Vorkenntnisse des Auszubildenden erfragen. Sollten Sie den Auszubildenden schon kennen, machen Sie nicht den Fehler, ihm Vorkenntnisse kurzerhand zu unterstellen.

Auch wenn der Auszubildende vielleicht schon drei Monate in Ihrer Abteilung eingesetzt ist und Sie womöglich auch den Unterrichtsstoff aus der Berufsschule kennen, müssen Vorkenntnisse auch in der AEVO-Prüfung immer hinterfragt werden.

Nur weil bestimmte Ausbildungsinhalte bereits abgearbeitet wurden, ist das keine Garantie dafür, dass der Auszubildende die Inhalte auch wirklich verstanden hat. Finden Sie in jedem Fall heraus, was Ihr Auszubildender schon weiß und was nicht.

Stellen Sie dazu gezielte Fragen und verlassen Sie sich nicht auf allgemeine oder womöglich sogar oberflächliche Antworten. Wenn Sie durch Ihre Fragen herausfinden, dass Ihr Auszubildender wirklich sehr gute Vorkenntnisse hat und die Tätigkeit bereits vollständig beherrscht, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dem Auszubildenden die Handgriffe überhaupt noch vormachen müssen oder ob Sie ihm nicht den Ball zuspielen, indem Sie ihn die Handlungen vorführen lassen.

Zum Einstieg in die Ausbildungseinheit stellen Sie außerdem den Zusammenhang zum Gesamtprozess her, damit der Auszubildende einzelne Arbeitsabschnitte darin einordnen kann.

Bild zwei Ausbilder vor Computer bei AEVO-Prüfung

Durchführung der 4-Stufen-Methode in der AEVO-Prüfung

Bekanntermaßen besteht die 4-Stufen-Methode aus:

  • Stufe 1 – vorbereiten
  • Stufe 2 – vormachen und erklären
  • Stufe 3 – nachmachen und erklären lassen
  • Stufe 4 – üben

1. Stufe – vorbereiten

Eine Ausbildungseinheit will gut vorbereitet sein. Daher geht es in der ersten Stufe sowohl um Ihre eigene Vorbereitung, als auch um die Vorbereitung des Auszubildenden durch Sie als Ausbilder. Mit den Details zur Einstiegsphase, in diesem Fall zur ersten Stufe der 4-Stufen-Methode, haben wir uns im vorangegangenen Abschnitt bereits beschäftigt.

2. Stufe  vormachen und erklären

Sie als Ausbilder machen die Arbeitsabläufe auch in der AEVO-Prüfung Schritt für Schritt vor. Das sollten Sie langsam und strukturiert tun und dafür sorgen, dass der Auszubildende die einzelnen Handgriffe gut sehen kann. Dabei beschreiben Sie, was getan werden muss und warum das so ist. Ergänzen Sie Erklärungen und Hinweise, wie sich der Lernende verhalten soll.

Verweisen Sie dazu auf die von Ihnen eingesetzten Medien. Beim Einsatz einer Pinnwand zum Beispiel können Sie auf die Bebilderung zur Verdeutlichung der einzelnen Arbeitsschritte hinweisen.

Prüfen Sie immer wieder, ob der Auszubildende Ihren Ausführungen noch folgt oder ob er mit seinem Blick und seinen Gedanken abschweift. Beziehen Sie ihn immer wieder durch kleinere Fragen mit ein oder lassen Sie ihn die eingesetzten Arbeitsmittel anfassen.

3. Stufe  nachmachen und erklären

Auf dieser Stufe soll der Auszubildende nun die Arbeitsschritte, die Sie ihm gerade gezeigt haben, alleine nachvollziehen. Der Inhalt sollte dabei leicht modifiziert werden. Fordern Sie den Auszubildenden auf, die einzelnen Vorgänge zu kommentieren. Er sollte erklären können, was er wie und warum tut.

Selbst wenn der Auszubildende von sich aus beschreibt, was er tut, sollten Sie die Handgriffe, die er ausführt, durch offene Fragen kritisch beleuchten. Wenn er einen Fehler macht oder das Ergebnis nicht gleich so ist, wie Sie es gerne hätten, sollten Sie die einzelnen Schritte hinterfragen, anstatt bei Fehlern sofort einzugreifen und die richtige Lösung vorzugeben.

Die Durchführung einer Lernerfolgskontrolle zeigt immer, ob der Auszubildende die Inhalte der Ausbildungseinheit wirklich verstanden hat oder nur Ihre Handgriffe nachahmt.

4. Stufe – üben

Da sich nun das Gelernte zeitnah festigen soll, arbeitet der Auszubildende aktiv selbst an der Aufgabenstellung weiter. Nachfolgend werden wir noch detailliert auf den Abschluss der Ausbildungseinheit eingehen.

Durchführung des Lehrgesprächs in der AEVO-Prüfung

Auch in Bezug auf das Lehrgespräch wurden die wichtigen Punkte zur Einführung bereits genannt und auf den Abschluss gehen wir gleich noch ein.

Das Lehrgespräch basiert in seiner Durchführung auf einer Gesprächsform, bei der Sie als Ausbilder, anknüpfend an bereits vorhandene Vorkenntnisse, den Inhalt der Ausbildungseinheit durch zielgerichtete Fragen und Impulse entwickeln und so das gewünschte Ergebnis erreichen. Es kann sowohl mit einem als auch mit mehreren Auszubildenden durchgeführt werden.

Wenn Sie als Ausbilder nach dem „Warum“ einer Handlung fragen, sind die daraus gewonnenen Erkenntnisse besonders wichtig für den Auszubildenden, da er so die Hintergründe seiner Handlungen verstehen kann. Weiß der Auszubildende einmal nicht weiter, sollten Sie nicht selbst Ihre zuvor gestellten Fragen beantworten. Helfen Sie ihm vielmehr auf die richtige Spur, indem Sie Ihre Fragen umformulieren oder Alternativfragen stellen.

Zum Abschluss der praktischen Durchführung stellen Sie in der AEVO-Prüfung sowohl bei der 4-Stufen-Methode als auch beim Lehrgespräch sicher, dass der Auszubildende die Lerninhalte tatsächlich verstanden hat, indem Sie eine Lernerfolgskontrolle durchführen. Dazu können Sie Kontrollfragen stellen. Das kann in Form eines kleinen Tests oder eines kurzen Fragebogens geschehen, auf dem die wesentlichen Punkte aufgeführt sind. Sie können den Auszubildenden die Tätigkeit noch einmal ausführen lassen oder ihn bereits angefertigte Werkstücke auf Funktionalität überprüfen lassen.

Geben Sie dem Auszubildenden jetzt auch Feedback. Dieses sollte immer zielführend sein, ihn bei seiner weiteren Tätigkeit voranbringen und beim nächsten Mal unterstützen. „Super!“, „Toll!“ oder „Klasse!“ reicht als Feedback nicht aus. Konkretisieren Sie, was genau der Auszubildende gut gemacht hat. Feedback ist eine Rückmeldung und muss nicht immer positiv sein. Wenn es angebracht ist, geben Sie ruhig Anhaltspunkte, was er beim nächsten Mal besser machen kann.

Erteilen Sie im Anschluss einen konkreten Übungsauftrag an den Auszubildenden. Er soll wissen, wie viel, wie lange und wo er üben muss. Vor allem jedoch sollten Sie ihn informieren, dass die Ausführungen abschließend noch kontrolliert werden. Diese finale Kontrolle ist wichtig, damit die Übungen auch gewissenhaft durchgeführt werden.

Zu guter Letzt sprechen Sie auch in der AEVO-Prüfung noch den Eintrag der Ausbildungseinheit im Ausbildungsnachweis an.

Bild eines Prüflings bei AEVO-Prüfung

Bei der Auswahl der Ausbildungsmethode verschiedene Kriterien zu beachten

Die Methodik ist auch in der Vorbereitung auf die AEVO-Prüfung ein zentraler Themenkomplex. Um dem Auszubildenden die Inhalte einer Ausbildungseinheit zu vermitteln, gibt es verschiedene Ausbildungsmethoden. Die unterschiedlichen Ausbildungsmethoden dienen dazu, dass der Auszubildende in einer vorgegebenen Zeit, ein definiertes Lernziel erreicht.
Bei Ihrer schriftlichen Ausarbeitung für die praktische Durchführung oder Präsentation, sollen Sie sich also unbedingt zu den folgenden Punkten Gedanken machen, wenn Sie Ihre Ausbildungsmethode auswählen. Schließlich kann im Fachgespräch der AEVO-Prüfung genau das eine mögliche Frage des Prüfungsausschusses sein: „Warum haben Sie sich gerade für diese Ausbildungsmethode entschieden und welche andere Methode hätten Sie auch wählen können?“.

Wieviel Zeit steht Ihnen für die Ausbildungseinheit zur Verfügung?

Bei einem Kurzvortrag zum Beispiel werden dem Auszubildenden in möglichst kurzer Zeit viele Informationen an die Hand gegeben. Steht zur Vermittlung eines Themas also nur eine sehr begrenzte Zeit zur Verfügung, würde sich ein Kurzvortrag (wenn Sie nur den zeitlichen Aspekt betrachten) gut eignen. Allerdings besteht mit dieser Ausbildungsmethode die Gefahr, dass der Auszubildende während Ihren Ausführungen schnell mit seinen Gedanken abschweift und sich viele Inhalte nicht merken kann.

Wenn Sie den Auszubildenden jedoch lediglich in einen neuen Themenbereich einführen und ihm einen ersten Überblick geben wollen, können Sie einen Kurzvortrag durchaus verwenden. Daher kommt in der AEVO-Prüfung diese Ausbildungsmethode meist nicht oder nur in Kombination mit einer anderen Methode zum Einsatz. Außerdem können Sie in der AEVO-Prüfung mit einem Kurzvortag Ihre Eignung als Ausbilder nicht unter Beweis stellen können.

Beim Einsatz einer Leittextmethode oder einer Projektmethode hingegen, benötigt Sie für die Durchführung der Ausbildungseinheit vergleichsweise deutlich mehr Zeit. In der AEVO-Prüfung können diese beiden Ausbildungsmethoden gut in der Präsentation einer Ausbildungseinheit eingesetzt werden.

Wie ist die Ausstattung des Lernortes?

Falls Sie für die Durchführung einer Ausbildungseinheit nicht die erforderlichen Arbeitsmittel zur Verfügung haben, sollten Sie eine Ausbildungsmethode wählen, die dem Auszubildenden zunächst die theoretischen Grundlagen der Aufgabe vermittelt. Für die AEVO-Prüfung sollten Sie unbedingt auch die zur Verfügung stehende Ausstattung des Prüfungsraums berücksichtigen und die von Ihnen benötigten Hilfsmittel selbst mitbringen.

Mit wie vielen Auszubildenden findet die Ausbildungseinheit statt?

Die Anzahl der Auszubildenden, spielt für die Auswahl der Ausbildungsmethode ebenfalls eine Rolle. Mit 15 oder 20 Auszubildenden, wird es Ihnen nicht möglich sein, eine sinnvolle Vier-Stufen-Methode durchzuführen. Ebenfalls wird sich ein Projekt womöglich nicht eignen, da ein komplexes Projekt mit einer hohen Anzahl Auszubildender, einen zu großen Zeitraum für die Durchführung in Anspruch nimmt.

Für kleinere Gruppen oder einzelnen Auszubildende, sind diese Ausbildungsmethoden jedoch gut umsetzbar. In der AEVO-Prüfung wird die praktische Durchführung einer Ausbildungseinheit mit einem Auszubildenden umgesetzt. Planen Sie hingegen in Ihrer AEVO-Prüfung die Präsentation einer Ausbildungseinheit, kann das auch eine Situation sein, die mehrere Auszubildende berücksichtigt.

Welche Vorkenntnisse hat der Auszubildende?

Einige Ausbildungsmethoden, wie zum Beispiel ein Lehrgespräch, setzen bestimmte Vorkenntnisse der Auszubildenden voraus, um sinnvoll durchgeführt werden zu können. Ebenso wie das Lehrgespräch, bauen auch die Leittextmethode und die Projektmethode auf den Vorkenntnissen des Auszubildenden auf. Zusätzlich setzen die Leittextmethode und die Projektmethode voraus, dass der Auszubildende in der Lage ist, sich selbstständig bestimmte Informationen beschaffen zu können.

Die Vier-Stufen-Methode hingegen ist eine Ausbildungsmethode, die Sie auch ohne Vorkenntnisse des Auszubildenden umsetzen können. Bei der AEVO-Prüfung ist die Berücksichtigung der Vorkenntnisse vor allem dann wichtig, wenn Sie Ihren „Azubi“ für die Prüfung nicht selbst mitbringen, sondern mit einem Partner arbeiten, den Sie nicht kennen.

Wenn Sie dann ein Thema wählen, welches Vorkenntnisse voraussetzt, die der Azubi nicht leisten kann, so kann das schnell zum Nichtbestehen der AEVO-Prüfung führen.

Welcher Lernzielbereich wird beim gewählten Thema angesprochen?

Als Ausbilder brauchen Sie einen Methodenkoffer um den verschiedenen Anforderungen gerecht zu werden.Entscheidend für die Auswahl der anzuwendenden Methode, ist in der Pädagogik unter anderem welcher Lernbereich (kognitiver, affektiver oder psychomotorischer Lernbereich) beim Auszubildenden angesprochen werden soll.

Die Lernbereiche gehen zurück auf Johann Heinrich Pestalozzi, der gesagt hat: „Ganzheitliches Lernen findet mit Kopf, Herz und Hand statt.“ Der „Kopf“ ist dabei der kognitive Bereich und betrifft eine Veränderung des Wissens.

Das „Herz“ steht für die Verinnerlichung von Kenntnissen, die dadurch so selbstverständlich angewendet werden, dass darüber nicht einmal mehr nachgedacht werden muss.

Der psychomotorische Lernbereich – die „Hand“ – ist dadurch gekennzeichnet, dass der Auszubildende neue Handgriffe erlernen soll.

Nicht nur in der AEVO-Prüfung wird oft der psychomotorische Lernbereich nicht richtig zugeordnet.

  • Kognitiver Lernbereich = beschreibt Wissen, erkennen und begreifen (Kenntnisse)
  • Affektiver Lernbereich = Bereich der Einstellungen, Gefühle, Interessen und Werte (Verhaltensweisen)
  • Psychomotorischer Lernbereich = bezeichnet die manuellen Tätigkeiten (Fertigkeiten)
Bild von zwei Teilnehmern bei einer AEVO-Prüfung

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