Häufige Fehler die Sie in der Ausbildereignungsprüfung Ihren Erfolg kosten können (Teil 1)

In der Ausbildereignungsprüfung, sind es oft die gleichen Fehler, die von den Prüfungsteilnehmern gemacht werden. Damit Ihnen das nicht auch passiert und Sie Ihre AEVO-Prüfung erfolgreich bestehen, verraten wir Ihnen in dieser Artikel-Serie die 9 häufigsten Fehler, die Sie in der Ausbildereignungsprüfung den Erfolg kosten können.

In der praktischen Durchführung wird einem Auszubildenden eine Ausbildungseinheit von Anfang bis Ende gezeigt. Dabei sollen Sie nachweisen, dass Sie auch komplexe Themen auf das Wesentliche herunterbrechen können, damit diese ganz einfach für jemanden nachvollziehbar sind, der noch verhältnismäßig wenig (Vor-) Kenntnisse in einem Bereich hat.

Die Präsentation ist die Gestaltung einer Ausbildungseinheit, in der Sie dem Prüfungsausschuss darstellen, wie Sie eine Ausbildungseinheit mit einem Auszubildenden praktisch durchführen würden. Eine Ausbildungseinheit ist ein in sich geschlossener, didaktisch gestalteter Ausbildungsabschnitt. Er setzt sich zusammen aus planen, durchführen und kontrollieren.

Erster Fehler in der Ausbildereignungsprüfung: Sie definieren das Lernziel falsch oder wählen nicht das richtige Lernziel aus

Die Basis für Ihre Lernziele sind im Ausbildungsrahmenplan verankert. Dort ist als Soll-Zustand beschrieben, was der Auszubildende lernen soll. Zur Erinnerung: Lernziele legen fest, welche Qualifikation, unter welchen Bedingungen, bis zu welcher Tiefe erworben werden sollen.

Diese Zielvorgaben, lassen sich nach dem Grad ihrer Eindeutigkeit in Richtlernziele, Groblernziele und Feinlernziele einteilen.

  • Richtlernziele beschreiben die (Aus-) Richtung, in denen Lernen erfolgen soll. Sie bilden die übergeordnete Grundlage, an denen sich die Groblernziele orientieren und lassen dem Ausbilder daher einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Richtlernziele sind meistens nur Schlagwörter, die nicht weiter mit sogenannten Tätigkeitswörtern verbunden sind.
  • Groblernziele werden aus den Richtlernzielen entwickelt und konkretisieren dieses. Es ist bereits eine Beschreibung des gewünschten Endverhaltens enthalten und darin definiert, dass der Auszubildende zu etwas Bestimmten in der Lage sein soll, wenn dieses Lernziel erreicht ist. Groblernziele sind im Ausbildungsrahmenplan zu finden.
  • Der Ausbilder hat die Aufgabe die Groblernziele zu operationalisieren – das bedeutet, sie an betriebsspezifische Erfordernisse anzupassen. Feinlernziele werden aus dem Groblernziel abgeleitet und beschreiben das gewünschte (überprüfbare) Endverhalten nach erfolgreichem Lernen ganz konkret.

Ein Groblernziel, kann die Basis für mehrere Feinlernziele sein. Ein Feinlernziel beschreibt das genaue Verhalten, welches der Auszubildende am Ende der Ausbildungseinheit aufweisen soll, und lässt dabei keinen Interpretationsspielraum bei der Zielerreichung zu.

Das bedeutet, alle Bestandteile die Sie in einem Feinlernziel definieren, müssen in der Ausbildereignungsprüfung auch von Ihnen umgesetzt werden.

Nehmen wir einmal an, Sie möchten in Ihrer Ausbildereignungsprüfung mit dem Auszubildenden das Thema „Telefonische Kundenbestellungen aufnehmen“ bearbeiten und definieren als Lernziel: „Der Auszubildende soll nach der Durchführung dieser Ausbildungseinheit in der Lage sein, selbstständig eine telefonische Kundenbestellung aufzunehmen“. In der Prüfungssituation selbst, zeigen Sie dann dem Auszubildenden jedoch nicht, wie er sich am Telefon richtig meldet, welche einzelnen Daten er vom Kunden abfragen soll, wie er die einzelnen Bestandteile der Bestellung richtig aufnimmt, welche Daten des Kunden der Auszubildende erfragen soll und wie er sich wieder richtig verabschiedet. Falls Sie das tun, liegt hier bereits der erste Fehler vor: Sie haben das Lernziel, welches Sie selbst definiert haben, nicht umgesetzt.

Beachten Sie also in der Ausbildereignungsprüfung, dass Sie alle Bestandteile des von Ihnen definierten Feinlernziels auch bearbeiten. Da Ihnen für die praktische Ausbildereignungsprüfung lediglich 15 Minuten zur Verfügung stehen, sollten Sie bei der Definition des Lernziels darauf achten, diese Zeitgrenze einzuhalten. Damit das möglich ist und die Ausbildungseinheit nicht zu umfangreich ausfällt, können Sie das Feinlernziel inhaltlich begrenzen und zum Beispiel folgendermaßen formulieren: „Der Auszubildende soll nach dieser Ausbildungseinheit in der Lage sein, die Bestandteile einer vorliegenden Kundenanfrage selbstständig auf Vollständigkeit überprüfen zu können.“

Somit ist in Ihrer Ausbildereignungsprüfung direkt klar, dass es in Ihrer praktischen Durchführung ausschließlich darum geht, das Formular zur Annahme von Kundenanfragen zu kennen (womit der kognitive Lernbereich betroffen ist) und keine Bestellung anzunehmen. Durch das neu formulierte Lernziel, ist dann die praktische Anwendung explizit nicht Teil der praktischen Durchführung in Ihrer AEVO-Prüfung.

Der erste Fehler den Sie also in Ihrer Ausbildereignungsprüfung machen können ist somit, dass Sie bei der Definition des Lernziels Bestandteile integrieren, deren Durchführung in der AEVO-Prüfung überhaupt nicht möglich ist oder Sie machen den Fehler nicht auf Ihr Feinlernziel einzugehen.

Da Sie für Ihre praktische Ausbildereignungsprüfung sowohl das Thema, als auch die verwendete Ausbildungsmethode frei wählen können, sollten Sie diesen Vorteil clever nutzen und sich die Rahmenbedingungen nicht durch ein falsch gewähltes oder ungenau definiertes Feinlernziel unnötig erschweren.

Ein weiterer Fehler, der von Prüfungsteilnehmern im Zusammenhang mit dem Lernziel in der Ausbildereignungsprüfung oft gemacht wird, ist sich nicht an den genauen Wortlaut des Richtlernziels und des Groblernziels des Ausbildungsrahmenplans zu halten. Die Formulierung des Richtlernziels und des Groblernziels sind Ihnen bereits vorgegeben. Sie übernehmen diese beiden Lernziele ohne Veränderung in Ihr schriftliches Konzept. Das einzige Ziel, welches Sie als Ausbilder verändern dürfen, ist das Feinlernziel. Dieses Lernziel wird von Ihnen individuell formuliert und ist sowohl auf den Ausbildungsbetrieb, als auch auf den Auszubildenden und den technischen Wandel abzustimmen. Sie verändern jedoch nicht die Inhalte des Richt- und Groblernziels.

Für die Operationalisierung eines Lernziels müssen drei Bedingungen erfüllt werden:

  1. Ein beobachtbares Endverhalten muss festgelegt werden
  2. Das Feinlernziel muss Angaben enthalten, unter welchen Bedingungen der Auszubildende das Verhalten zeigen soll (hier werden auch Hilfsmittel und Zeitvorgaben festgelegt).
  3. Das Feinlernziel muss Angaben enthalten, in welcher Güte das Lernziel erreicht werden soll.

Für das Fachgespräch in Ihrer Ausbildereignungsprüfung, sollten Sie ebenfalls erklären können, durch welche Herangehensweise Sie Ihr Feinlernziel zuvor festgelegt haben.

Zweiter Fehler in der Ausbildereignungsprüfung: Sie motivieren den Auszubildenden nicht

Zu Beginn jeder Ausbildungseinheit ist es besonders wichtig, den Auszubildenden zu motivieren. Der Begriff „Motivation“, ist als Antrieb definiert, der den Auszubildenden befähigt, konsequent ein gestecktes Ziel zu verfolgen. Machen Sie dabei jedoch nicht den Fehler, pauschal davon auszugehen, Ihr Azubi sei bereits für ein Thema motiviert, nur weil er bei Ihnen eine Ausbildung macht. Es kann durchaus sein, dass der Auszubildende für die Tätigkeit und für das Ausbildungsberufsbild motiviert ist; Sie können jedoch nicht davon ausgehen, dass er genau für das konkrete Thema der folgenden Ausbildungseinheit motiviert ist. Die Motivation des Auszubildenden ist für Ihre praktische Ausbildereignungsprüfung ein zentrales Kriterium.

Nehmen wir an, Sie bilden im Beruf „Kaufmann/-frau für Bürokommunikation“ aus und Sie möchten Ihrem Auszubilden beibringen, wie die Ablage der Eingangsrechnungen erfolgt. Es kann durchaus sein, dass Sie bei einem Thema welches auf den Auszubildenden nicht besonders attraktiv wirkt, keine Grundmotivation voraussetzen können.

Allgemeine Motivationsversuche wie die Aussagen: „Dieses Thema brauchst Du über Deine gesamte Ausbildungszeit hinweg!“ oder „Das ist ein sehr wichtiges Thema!“, werden ebenfalls nicht sonderlich motivierend für den Auszubildenden sein. Vor allem nicht, wenn Sie dem Auszubildenden bei jeder Unterweisung erklären, dass ihn gleich ein sehr wichtiges Thema erwartet. Im praktischen Teil Ihrer Ausbildereignungsprüfung, sollten Sie solche pauschalen Aussagen zur Motivation vermeiden.

Hingegen sollten Sie Ihrem Auszubildenden die Wichtigkeit einer Aufgabe genauer erklären und detailliert aufzeigen, wie dieses Thema für den späteren Arbeitsalltag und für die Abschlussprüfung wichtig ist. Führen Sie hierzu nachvollziehbare Gründe auf. Diese Argumente machen den Unterschied. Ebenfalls sollten Sie darstellen, welche (negativen) Konsequenzen eintreten können, wenn die gestellte Aufgabe nicht richtig erfüllt wird. Stellen Sie sich einmal vor was passiert, wenn eine Eingangsrechnung verloren geht. Das kann durchaus zu Schwierigkeiten, oder zumindest zusätzlichem Aufwand, führen. Auch bei Ihrer Ausbildereignungsprüfung, sollten Sie auf eine sinnvoll eingesetzte Motivation des Auszubildenden achten.

In der Motivationspsychologie, werden zwei Arten von Motivation unterschieden: die intrinsische Motivation und die extrinsische Motivation.

Die intrinsische Motivation, wird auch primäre oder direkte Motivation genannt. Sie ist die innere Motivation des Menschen. Das Verhalten des Auszubildenden wird dabei durch Spaß, Freude, seine Interessen und durch sein Talent gefördert. Intrinsisch können Sie einen Auszubildenden motivieren, indem Sie ihm den Sinn und Zweck einer Tätigkeit aufzeigen.

Bei der extrinsischen Motivation, die auch als sekundäre oder indirekte Motivation bezeichnet wird, kommt die Motivation von außen. Entweder möchte der Auszubildende hierbei eine Belohnung für etwas erhalten (materiell oder immateriell) oder er möchte negative Konsequenzen (eine Bestrafung) vermeiden. Die extrinsische Motivation erfolgt über Lob, Anerkennung, Feedback durch den Ausbilder, die Eigenständigkeit eine Aufgabe zu bearbeiten und die dem Auszubildenden übertragene Verantwortung. Auch monetäre Anreize gehören zur extrinsischen Motivation. Bedingt durch die Höhe der Ausbildungsvergütung spielt dies jedoch eine eher untergeordnete Rolle.

Extrinsisch können Sie einen Auszubildenden motivieren, indem Sie ihm Aufgaben übertragen, die er eigenverantwortlich erfüllen soll und ihm die Möglichkeit geben, sich und sein Talent im Unternehmen einzubringen. Überlegen Sie sich also im Vorhinein, wie Sie für die Ausbildungseinheit in Ihrer Ausbildereignungsprüfung die Motivation des Azubis sicherstellen wollen.

Dritter Fehler in der Ausbildereignungsprüfung: Lernziel, Lernzielbereich und die Ausbildungsmethode passen nicht zusammen

Erfolgreiches Lernen erfordert, eine dem Inhalt angepasste Lernsituation und didaktisch aufbereiteten Lernstoff bereitzustellen. Da jeder Mensch anders lernt und Gelerntes behält, ist es wichtig verschiedene Lernbereiche anzusprechen.

  • Kognitiver Lernzielbereich = beschreibt Wissen, erkennen und begreifen (Kenntnisse)
  • Affektiver Lernzielbereich = Bereich der Einstellungen, Gefühle, Interessen und Werte (Verhaltensweisen)
  • Psychomotorischer Lernzielbereich = bezeichnet die manuellen Tätigkeiten (Fertigkeiten)

In jedem dieser drei Lernbereiche gibt es dann wiederum verschiedene Schwierigkeitsstufen.

Die Lernbereiche gehen zurück auf Johann Heinrich Pestalozzi, der gesagt hat: „Ganzheitliches Lernen findet mit Kopf, Herz und Hand statt.“ Der „Kopf“ ist dabei der kognitive Bereich und betrifft eine Veränderung des Wissens. Das „Herz“ steht für die Verinnerlichung von Kenntnissen, die dadurch so selbstverständlich angewendet werden, dass darüber nicht einmal mehr nachgedacht werden muss. Der psychomotorische Lernbereich – die „Hand“ – ist dadurch gekennzeichnet, dass der Auszubildende neue Handgriffe erlernen soll.

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Gerade der psychomotorische Lernzielbereich, wird in der Ausbildereignungsprüfung am häufigsten falsch interpretiert. Der Auszubildende soll nach einer Lerneinheit mit seiner Hand etwas tun können, was er vorher nicht konnte. Der Fehler dabei ist, dass dem psychomotorischen Lernzielbereich ein Lernziel zugeordnet wird, welches diesen Bereich überhaupt nicht betrifft. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Auszubildende lernen soll, ein Formular korrekt auszufüllen. Bevor Sie dieses Thema nun in Ihrer Ausbildereignungsprüfung auswählen, sollten Sie sich fragen, ob Sie als Grundschullehrer tätig sind – denn lediglich ein Grundschullehrer, kann von sich behaupten, dem Auszubildenden das Schreiben beigebracht zu haben. Schreiben, können Auszubildende jedoch meist, wenn sie bei Ihnen die Ausbildung beginnen. Vielmehr lernt der Auszubildende bei Ihnen, welche Informationen er woher bekommt und an welcher Stelle diese dann im entsprechenden Formular einzutragen sind.

Somit sind die Veränderungen die mit dem Lernprozess einhergehen nicht dem psychomotorischen, sondern dem kognitiven Lernzielbereich zuzuordnen. Es gibt also durchaus Themen, bei denen der psychomotorische Lernzielbereich gar nicht angesprochen wird. Immer jedoch, werden sowohl der kognitive, als auch der affektive Lernzielbereich involviert. Achten Sie in Ihrer Ausbildereignungsprüfung also darauf, dass das Lernziel, der Lernzielbereich und die Ausbildungsmethode zusammen passen.

Vierter Fehler in der Ausbildereignungsprüfung: Sie ignorieren die Vorkenntnisse des Auszubildenden

Vorkenntnisse sind Erfahrungen, die der Auszubildende in Bezug auf das Lernziel, welches in einer Ausbildungseinheit bearbeitet wird mitbringt. Jeder Auszubildende verfügt über einen anderen Wissens- und Kenntnisstand. Lassen Sie sich daher auch in der Ausbildereignungsprüfung nicht dazu verführen, sich strikt an ein einmal von Ihnen ausgearbeitetes Schema zu halten.

Gerade wenn ein Auszubildender eine längere Zeit in Ihrer Abteilung verbringt oder wenn Sie in einem kleinen Unternehmen der einzige Ausbilder sind und deshalb immer die Ausbildungseinheiten durchführen, können Sie leicht in Versuchung geraten davon auszugehen bereits zu wissen, was Ihr Auszubildender kann und kurzerhand seine Vorkenntnisse nicht mehr abfragen, sondern diese zu unterstellen. Allerdings betreffen die Vorkenntnisse, nicht nur das Wissen und die Erfahrungen, die der Auszubildende aus seiner bisherigen Ausbildungszeit in Ihrem Unternehmen mitbringt, sondern auch die Erfahrungen, die er vor der Aufnahme seiner Ausbildung gemacht hat. Weil Sie diese Erfahrungen nicht kennen, können Sie abschließend auch keine Vorkenntnisse voraussetzen, sondern müssen diese zunächst immer auf das Thema bezogen herausfinden.

Eine ganz pauschal gestellte und geschlossene Frage, wie „Hast du schon mal etwas von … gehört?“, hilft Ihnen allerdings nicht dabei, die genauen Vorkenntnisse des Auszubildenden zu ermitteln. Selbst wenn der Auszubildende Ihre Frage mit „ja“ beantwortet, wissen Sie nicht was er wirklich zu einem Thema weiß oder kann. Wenn Sie es als Ausbilder damit auf sich beruhen lassen und direkt zum praktischen Teil übergehen, ist das keine Anknüpfung an vorhandenes Wissen.

Der Sinn, Vorkenntnisse bei der Durchführung von Ausbildungseinheiten abzufragen liegt darin, dass Sie vor Beginn noch die Möglichkeit haben, den Ablauf an die vorhandenen Vorkenntnisse des Auszubildende anzupassen.

Fragen Sie daher ganz konkret nach Vorkenntnissen. Falls diese beim Auszubildenden vorhanden sind, hinterfragen Sie zusätzlich was genau er weiß mit ein oder zwei weitere Vertiefungsfragen. Daraus ziehen Sie dann Ihre Schlüsse und passen Ihre Unterweisung an.

Falls die Vorkenntnisse des Auszubildenden zum Thema für den weiteren Verlauf der Ausbildungseinheit nicht ausreichen, haben Sie die Möglichkeit, dem Auszubildenden alternativ zeigen, wie die gestellte Aufgabe nach betriebsinternen Vorgaben bearbeitet wird.

Wenn Sie jedoch die Vorkenntnisse des Auszubildenden ignorieren, kann dies eine Unterforderung oder Überforderung des Auszubildenden zur Konsequenz haben. Wenn Sie den Auszubildenden unterfordern und er die Inhalte der Ausbildungseinheit schon weiß, äußert sich das meist darin, dass er Ihnen gar nicht zuhört. Sie können dieses Desinteresse meist gut in der Körperhaltung des Auszubildenden erkennen: Etwa, wenn er mit verschränkten Armen dasteht oder ungeduldig von einem Bein auf das andere tritt. Hinzu kommt, wenn Sie als Ausbilder nicht auf die Vorkenntnisse eingehen die Ihnen der Azubi nennt, sondern ihm in die gleichen Lerninhalte noch mal zeigen, geben Sie ihm das Gefühl seinen Angaben und seinem Können zu Misstrauen.

Unterstellen Sie hingegen dem Auszubildenden Vorkenntnisse die er gar nicht hat, würden Sie den Auszubildenden ganz schnell mit den Lerninhalten überfordern.

Denken Sie daran: In der Ausbildereignungsprüfung sollen Sie unter anderem Ihre pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen. Wenn Sie daher nicht auf den Auszubildenden eingehen und sich lediglich an Ihre Planung halten, ist das Ziel eindeutig verfehlt.

Fünfter Fehler in der Ausbildereignungsprüfung: Sie setzen keine oder nur unzureichend Medien ein

Der Lernprozess ist Multisensorisch. Daher sollten Sie sich nicht nur auf einen Lerntyp versteifen, sondern mehrere Lerntypen ansprechen. Dies wird auch dem Prinzip der Anschaulichkeit der pädagogischen Prinzipien gerecht. Falls Sie also noch der Meinung sind, dass Sie im Lehr-Lern-Prozess keine Medien brauchen, weil diese den Auszubildenden nur verwirren würden, sollten Sie hierüber noch einmal nachdenken.

Der Einsatz von Medien spricht vorwiegend den visuellen Lerntyp an. Sie erinnern sich sicherlich, dass in drei grundsätzliche Lerntypen unterschieden wird: der auditive Wahrnehmungstyp, der visuelle Wahrnehmungstyp und der haptische Wahrnehmungstyp. Mit einem gezielten Medieneinsatz in Ihrer praktischen Ausbildereignungsprüfung bedienen Sie den visuellen Wahrnehmungskanal.

Allerdings reicht ein kurzer Blick, etwa wenn Ihnen der Auszubildende bei den Handgriffen einer Ausbildungseinheit über die Schulter schaut, nicht aus um das später selbstständig nachmachen zu können. Sie sollten daher bei den eingesetzten Medien darauf achten, dass diese während der gesamten Ausbildungseinheit für den Auszubildenden gut sichtbar sind. Bei einem Flip-Chart ist dies zum Beispiel der Fall.

Auf diesem Flip-Chart können Sie die einzelnen Arbeitsschritte einer Aufgabe visualisieren und so kann der Auszubildende, während Sie in die einzelnen Handgriffe vormachen, parallel auf dem Flip-Chart die Arbeitsgänge anschauen. Bei einer Vier-Stufen-Methode, kann der Auszubildende sich in der dritten Stufe zusätzlich an der vorhandenen Visualisierung orientieren, sollte er von sich aus einmal nicht mehr weiterwissen.

Gerade in einer solchen Situation, kann sich dieses Hilfsmittel positiv auf die Motivation des Auszubildenden auswirken. Stellen Sie sich einmal vor, er weiß während der Ausbildungseinheit nicht mehr weiter und kennt den nächsten Arbeitsschritt der Aufgabe nicht. Es wäre für den Auszubildenden wohl unangenehm, wenn er sich bei seinem Ausbilder danach erkundigen muss, wie es weitergeht. Deutlich besser hingegen ist es, wenn er sich selbst helfen kann und einfach die nächsten Arbeitsschritte auf der Visualisierung nachschauen kann.

In den meisten Prüfungsräumen haben Sie für Ihre praktische Ausbildereignungsprüfung ein Flip-Chart und eine Pinnwand zur Verfügung. Oft ist auch ein Whiteboard vorhanden, auf dem Sie schreiben können. Ein Beamer hingegen ist nicht selbstverständlich. Die genauen zur Verfügung stehenden Materialien, sollten Sie daher immer bei der zuständigen Industrie- und Handelskammer erfragen, bei der Sie die Ausbildereignungsprüfung ablegen.

In einem Lehrgespräch ist ebenfalls der Einsatz von Medien wichtig, um die kognitiven Fachbegriffe der Aufgabenstellung visuell darzustellen. Achten Sie also auch bei einem Lehrgespräch darauf, dass die Inhalte der Ausbildungseinheit visuell aufbereitet und dem Auszubildenden zugänglich sind. Es muss auch nicht immer eine Pinnwand oder ein Flip-Chart sein. Genauso reicht als Orientierungshilfe für den Auszubildenden ein schriftlicher oder bebilderter Ablauf der Ausbildungseinheit auf einem DIN-A4-Blatt.

Oftmals wird das Wort „Medien“ lediglich mit bewegten Bildern, also mit einem Video, in Verbindung gebracht. Ein Medium ist jedoch nicht zwangsläufig ein Video, sondern das können auch Texte oder Bilder sein.

Zusätzlich kann die visuelle Darstellung den auditiven Wahrnehmungskanal unterstützen, denn sobald ein Wort ausgesprochen und gehört wurde, ist es auch schon wieder weg. Mit einer unterstützenden Visualisierung hingegen, bleibt der wesentliche Inhalt erhalten. Durch eine zielführende Visualisierung, hat der sinnvolle Medieneinsatz direkten Einfluss auf den Behaltensgrad der Lerninhalte.

Medien brauchen jedoch eine Struktur, damit sie zielführend eingesetzt werden können. Ein entscheidendes Merkmal bei einer Visualisierung, ist daher zuallererst einmal eine Überschrift. Der Auszubildende soll auf einen Blick erkennen können, um was es geht.

Wichtig ist ebenfalls, dass die bei der Unterweisung gemachten Aussagen, oder die Inhalte der Präsentation, auch mit den Inhalten der eingesetzten Medien übereinstimmen und nicht neue oder widersprüchliche Informationen beinhalten.

Viele unterschiedliche Medien können geeignet sein, um eine Ausbildungseinheit sinnvoll zu unterstützen, ob diese auch wirklich alle benötigt werden, ist ein ganz anderer Aspekt. Genauso wie es nicht sinnvoll ist, gar keine Medien als Unterstützung einzusetzen, ist eine Überdosierung ebenfalls nicht zielführend und für den Auszubildenden eher verwirrend.

Der Einsatz von Medien soll also den Auszubildenden nicht verwirren, sondern den Lernprozess unterstützen, damit der Auszubildende einzelne (Teil-) Schritte gut nachvollziehen kann. Weiterhin soll der Auszubildende aktiviert und die Selbstständigkeit gefördert werden. Medien sind ideal, um Inhalte objektiv und sachlich zu vermitteln. Planen Sie deshalb auch für Ihre Ausbildereignungsprüfung einen gezielten Medieneinsatz ein.

Hier gelangen Sie zum zweiten Teil der typischen Fehler in der Ausbildereignungsprüfung.

Bild von AEVO Online-Kurs für Ausbilderschein
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5 Kommentare. Hinterlasse eine Antwort

  • Super Beitrag! Vor allem der Teil mit dem Medieneinsatz. Das war mir nicht klar für was ich das brauche 🙂 Ich dachte nämlich auch das reicht mit einer vier Stufenmethode einfach so. Wie genau kann ich das machen? LG, Alex

    Antworten
    • AEVO Online
      16. August 2018 17:44

      Hallo Alex,

      schön, dass Ihnen der Beitrag gefällt. Für eine Vier-Stufe-Methode können Sie super ein Flip-Chart nehmen, auf dem Sie die einzelnen Arbeitsschritte darstellen. Einfach vorher die Abläufe bzw. einzelnen Handgriffe fotografieren, ausdrucken und in der AEVO-Prüfung dann der Reihenfolge nach an’s Flip-Chart pinnen. So kann der Azubi immer wieder schauen wie’s weiter geht.

      Viel Erfolg!
      Ihr Team der AEVO Online GmbH

      Antworten
  • Warum kann ich die Beiträge nicht ausdrucken? Bereite mich auch gerade auf die AEVO-Prüfung vor. 🙂

    Antworten
    • Mit durchlesen, darüber nachdenken und Notizen zu den Inhalten machen, sind bereits mehrere Wahrnehmungskanäle angesprochen. Sie setzen sich also mit den Lerninhalten auseinander. Wenn Sie hingegen die Beiträge “nur” ausdrucken und lesen passiert nicht viel. 🙂
      Viel Erfolg bei der Prüfung!
      Ihr Team von AEVO Online

      Antworten
  • Ich streiche mir auch immer gern was an und lese sowas im Bus (leider auf einer ländlichen Strecke, auf der das Internet gern auch mal Lücken hat 😉 ) Schade…. für mich hat es eine Menge Mehrwert, wenn ich manche Dinge auch als Papier vor mir habe.

    Antworten

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