Achtung: Warum Lernerfolgskontrollen in der AEVO-Prüfung nicht übergangen werden dürfen!

Eine richtig angewandte Lernerfolgskontrolle ist sowohl in der AEVO-Prüfung als auch im Ausbildungsalltag ein zentraler Baustein einer erfolgreichen Ausbildungseinheit.

Oft werden Lernerfolgskontrollen jedoch nicht korrekt eingesetzt, sondern am Ende einer Ausbildungseinheit lediglich das Ergebnis des Auszubildenden angeschaut und (im besten Fall) festgestellt, dass das Ergebnis des Azubis genauso aussieht wie das, das der Ausbilder vorgemacht hat. Das ist jedoch lediglich eine Funktionskontrolle und keine Lernerfolgskontrolle.

Grundsätzlich gilt: Lernerfolgskontrollen sind keine Funktionskontrollen.

Sie wissen nämlich damit nicht, ob er die Lerninhalte auch verstanden hat. Wenn Sie also in Ihrer AEVO-Prüfung nach der durchgeführten Lernerfolgskontrolle gefragt werden und sagen: „Ich habe das Ergebnis des Auszubildenden kontrolliert und es gleich dem von mir.“ dann ist das nicht korrekt.

Die dritte Stufe der Vier-Stufen-Methode ist ebenfalls keine Lernerfolgskontrolle, denn Sie haben als Ausbilder hier jederzeit die Möglichkeit einzugreifen und den Auszubildenden zu unterstützen, sollte er Fehler machen oder nicht mehr weiterwissen. Auch wenn der Auszubildende die Handgriffe einmalig selbstständig und richtig nachgemacht hat, ist es noch immer keine Lernerfolgskontrolle.

Der Auszubildende sollte mit fortschreitender Ausbildungsdauer außerdem immer mehr in der Lage sein, seine Arbeitsergebnisse selbst zu kontrollieren. Darum ist es wichtig, ihm die Möglichkeit zu geben, sein Arbeitsergebnis zuerst selbst zu reflektieren, bevor Sie Ihre Einschätzung dazu geben. Er soll lernen selbstständig festzustellen, was er richtig gemacht hat und an welchen Stellen er noch Verbesserungspotenzial aufweist. Wenn Sie als Ausbilder jedes Mal das Arbeitsergebnis umgehend aus Ihrer Sicht bewerten, nehmen Sie dem Auszubildenden die Möglichkeit diese Fähigkeit zur Reflexion seiner Handlungen zu entwickeln.

Stellen Sie sich einmal vor, Ihr Azubi hat eine Arbeitsaufgabe aus Ihrer Sicht gut erledigt. Sie geben ihm nun die direkte Rückmeldung: „Super das hast Du gut gemacht!“ Sie dürfen sich an dieser Stelle einmal selbst fragen, welcher Auszubildende hier seinem Ausbilder widerspricht und darauf antwortet: „Naja, das ist Ihre Sicht der Dinge. Ich war mit meiner Leistung dieses Mal nicht zufrieden.“. In der Praxis wird das wohl nicht der Fall sein.

Lassen den Azubi zunächst sein Handeln selbst einschätzen

Lassen Sie also auch in der AEVO-Prüfung den Auszubildenden zunächst sein Handeln selbst einschätzen und kontrollieren Sie danach das Endergebnis. Wenn Sie den Auszubildenden für seine Leistungen loben möchten, achten Sie auch darauf, das positive Verhalten ganz konkret zu benennen. Zeigen Sie ihm auf, was er gut gemacht hat. Wenn es Verbesserungspotenzial gibt, können Sie ihm auch erklären, was er das nächste Mal anders machen kann. Lassen Sie den Auszubildenden also ganz genau wissen, was Ihnen gut gefallen hat und was Ihnen nicht so gut gefallen hat.

Wenn der Auszubildende mit dem Thema oder den Abläufen einer Ausbildungseinheit nicht besonders gut zurechtkommt und immer wieder Fehler macht, achten Sie sowohl in Ihrer AEVO-Prüfung als auch in der Ausbildungs-Praxis darauf, dass es an dieser Stelle nicht angemessen ist ihn zu loben. Die Einschätzung der Leistungen des Auszubildenden, sollten durchaus der Realität und den erbrachten Leistungen entsprechen.

Beachten Sie auch, den Auszubildenden erst nach der Lernerfolgskontrolle zum selbstständigen Üben zu schicken. Selbstständiges Üben ist eine Erfolgssicherung keine Lernerfolgskontrolle. Eine Kontrolle ist immer der Übungsphase vorgelagert.

In Ihrer AEVO-Prüfung müssen Sie zunächst einmal sicherstellen, dass der Auszubildende das Wissen der vorausgegangenen Ausbildungseinheit, auch wirklich anwenden kann.

Die geschlossene Frage: „Hast du alles verstanden?“ ist dafür wenig hilfreich, denn der Auszubildende wird diese Frage mit ziemlicher Sicherheit einfach mit „ja“ beantworten. Natürlich kann es sein, dass der Auszubildende die Lerninhalte tatsächlich verstanden hat. Es kann jedoch auch sein, er möchte einfach nicht zugeben, dass das nicht der Fall ist. Mit einem kurzen „ja“ als Antwort können Sie dies nicht überprüfen. Hinterfragen Sie also auch an dieser Stelle mit ein paar weiteren Kontrollfragen, ob er die relevanten Inhalte wirklich verstanden hat.

Stellen Sie einen konkreten Übungsauftrag

Das selbstständige Üben dient der Erfolgssicherung. Der Auszubildende soll Routine in der Durchführung einer Arbeitshandlung bekommen und er soll die dafür erforderlichen Handgriffe mit der Zeit automatisch anwenden können. Wenn Sie den Auszubildenden ohne Lernerfolgskontrolle direkt zum Üben schicken, läuft er Gefahr sich in der Übungsphase Fehler in der Ausführung anzugewöhnen.

Üben kann somit erst erfolgen, wenn zuvor eine Kontrolle stattgefunden hat. Wichtig für Sie ist, den Übungsauftrag konkret zu formulieren. In der AEVO-Prüfung, ist das ein Fehler der häufig gemacht wird. Der Auszubildende wird vom Ausbilder lediglich aufgefordert an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren und selbstständig weiter zu üben. Was allerdings dabei fehlt, ist eine konkrete Anweisung durch den Ausbilder, wie viele der Arbeitsschritte der Auszubildende ausführen soll, wie lange er üben soll und es fehlt ebenfalls die Information, ob das Ergebnis der Übung kontrolliert wird (und wenn ja, wer die Kontrolle durchführt).

Schaffen Sie Verbindlichkeit!

Eine verbindliche Anweisung zum Üben wäre: „Jetzt kannst du zurück an deinen Arbeitsplatz, ich habe dir bereits zehn weitere Übungsaufgaben auf den Schreibtisch gelegt. Du hast eine Stunde Zeit. Danach kommst du bitte zu mir zurück und zeigst mir das Ergebnis. Falls du zwischenzeitlich Fragen hast, kannst du mich natürlich immer gerne ansprechen.“.

Somit weiß der Auszubildende ganz genau

  • wie viele Aufgaben er erledigen muss
  • wieviel Zeit er für die Ausführung zur Verfügung hat
  • was er tun soll, wenn er damit fertig ist
  • und dass das Ergebnis noch einmal von Ihnen kontrolliert wird.

Hierdurch bekommt der Auszubildende gleichzeitig noch die Möglichkeit sein Zeitmanagement zu trainieren. Er lernt einzuschätzen, wie lange er für die Ausführung einer Arbeitsaufgabe braucht und ob die Tätigkeit in der vorgegebenen Zeit zu erreichen ist.

Achten Sie also in Ihrer praktischen AEVO-Prüfung darauf, dass Sie eine sinnvolle Lernerfolgskontrolle in Ihrem Planungskonzept integrieren und ebenfalls eine Übungsphase einplanen.

Bild eines Prüflings bei AEVO-Prüfung

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