Welche Aufgaben hat ein Ausbilder?

Sowohl Auszubildende als auch Ausbilder haben einige Aufgaben, die sie erfüllen müssen. Die Pflichten des Ausbildenden und die Aufgaben des Ausbilders sind im Berufsbildungsgesetz geregelt und umfassen fachliche, pädagogische und erzieherische Aufgaben.

Das Ziel der Berufsausbildung ist es, dass der Auszubildende die berufliche Handlungsfähigkeit erlangt. Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass es die Hauptaufgabe des Ausbilders ist, die Lehrinhalte zu vermitteln, die später für die Ausübung des Berufs erforderlich sind. Doch es gibt noch weitere Aufgaben und Pflichten, die ein Ausbilder erfüllen muss.

 

§ 14 Berufsausbildung

(1) Ausbildende haben
1. dafür zu sorgen, dass den Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufsausbildung in einer durch ihren Zweck gebotenen Form planmäßig, zeitlich und sachlich gegliedert so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungszeit erreicht werden kann, (…)

Quelle: www.gesetze-im-internet.de

Das oberste Ziel der Berufsausbildung ist es also, dass der Auszubildende die berufliche Handlungsfähigkeit erlangt. Er soll in der Lage sein, Arbeitsabläufe selbstständig zu planen, durchzuführen und zu kontrollieren. Um das zu erreichen, ist es die Aufgabe des Ausbilders, dem Auszubildenden die Lerninhalte aktiv weiterzugeben, sowie den Auszubildenden zum Lernen anzuhalten, damit dieser sich fortlaufend mit den Ausbildungsinhalten auseinandersetzt. Es ist also nicht möglich, dem Auszubildenden zum Ausbildungsbeginn kurzerhand alle Unterlagen und Ausbildungsinhalte einfach zu übergeben und ihn dann damit alleine zu lassen.

Der Ausbilder hat weiterhin eine Fürsorgepflicht, innerhalb welcher er die Aufgabe hat sich angemessen um den Auszubildenden zu kümmern.

Entsprechend § 15 des Berufsbildungsgesetzes hat der Ausbildende den Auszubildenden für die Teilnahme am Berufsschulunterricht und für die Teilnahme an den Prüfungen freizustellen. Ebenso freizustellen sind Auszubildende für Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte.

Weiterhin haben Ausbildende die Aufgabe, Ausbildungsmittel kostenfrei zur Verfügung stellen, die vom Auszubildenden benötigt werden, um seine tägliche Arbeit ausüben zu können. Bücher und Arbeitsmittel der Berufsschule hingegen, werden als zusätzliches Ausbildungsmaterial angesehen, welches sich der Auszubildende selbst beschaffen muss.

Dem Auszubildenden muss nach Ende der Ausbildungszeit ein schriftliches Zeugnis ausgestellt werden. Dieses einfache Ausbildungszeugnis umfasst entsprechend der gesetzlichen Bestimmungen mindestens Angaben über die Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten des Auszubildenden.

Auf Verlangen des Auszubildenden ist jedoch ein qualifiziertes Zeugnis auszustellen, in dem auch Angaben über Verhalten und Leistung enthalten sind.

Dem Auszubildenden ist außerdem eine angemessene Vergütung bezahlen (§ 17 BBiG), den an das Lebensalter und Erfahrung des Auszubildenden entspricht. Diese Vergütung ist nach Ausbildungsjahren gestaffelt anzugeben. Die Ausbildungsvergütung muss mindestens jährlich ansteigen. So ist es also nicht möglich dem Auszubildenden über die gesamte Ausbildungsdauer hinweg die gleiche Vergütung zu bezahlen. Für Ausbildungsbetriebe die tariflich gebunden sind, gelten die in den Tarifverträgen vorgesehenen Ausbildungsvergütungen. Ausbildungsbetriebe die nicht tarifgebunden sind, haben eine „angemessene“ Ausbildungsvergütung zu bezahlen. Nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes darf die Ausbildungsvergütung um „angemessen“ sein, die tariflichen Sätze um nicht mehr als 20 % unterschreiten. Eine Vergütung, die also weniger als 80 Prozent der tariflichen Vergütung beträgt, ist somit nicht mehr angemessen.

Vom Auszubildenden muss ein elektronischer oder schriftlicher Ausbildungsnachweis geführt werden. Ob der Nachweis digital oder schriftlich geführt werden soll, liegt im Ermessen des Ausbildungsbetriebs. Der Ausbildungsnachweis soll am Arbeitsplatz geführt werden können. Der Ausbilder muss also dem Auszubildenden die Möglichkeit geben, während der Arbeitszeiten seinen Ausbildungsnachweis zu führen.

Die charakterliche Förderung des Auszubildenden gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Ausbilders. Da der Beginn der Ausbildung für viele junge Menschen auch der erste Kontakt mit dem Berufsleben ist, übernimmt der Ausbilder eine wichtige Vorbildrolle. Auszubildende werden sich vor allem in schwierigen Situationen an seinem Verhalten orientieren. Falls Ihnen als Ausbilder also Verhaltensweisen am Auszubildenden auffallen, die Ihnen nicht gefallen oder Ihnen dessen Einstellung zum Unternehmen nicht zusagt, ist es ratsam zunächst Ihre eigenen Sicht- und Verhaltensweisen zu überprüfen. Es ist gut möglich, dass der Auszubildende Ihnen lediglich widerspiegelt, was es in Ihrem Verhalten wahrgenommen hat. Dabei sind nicht nur Ihre Aussagen relevant, sondern auch nonverbale Kommunikation spielt eine wichtige Rolle. Durch Ihr Vorbild lernt der Auszubildende die Regeln des Unternehmens kennen und wie er sich Kollegen und Vorgesetzten gegenüber verhalten soll.

Außerdem bietet es sich an, wenn Sie als Ausbilder einen engen Kontakt zur Berufsschule pflegen, um auch über die dortigen Leistungen und die Anwesenheit den Auszubildenden informiert zu sein. Falls es sich um einen Auszubildenden handelt, der noch nicht volljährig ist kann ebenso ein guter Kontakt und vertrauensvolles Verhältnis zu den Erziehungsberechtigten sinnvoll sein.

Pflichten des Auszubildenden

Die Pflichten des Auszubildenden werden in § 13 des BBiG geregelt.

 

§ 13 Verhalten während der Berufsausbildung

Auszubildende haben sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu erwerben, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist. Sie sind insbesondere verpflichtet,
1. die ihnen im Rahmen ihrer Berufsausbildung aufgetragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen,
2. an Ausbildungsmaßnahmen teilzunehmen, für die sie nach § 15 freigestellt werden,
3. den Weisungen zu folgen, die ihnen im Rahmen der Berufsausbildung von Ausbildenden, von Ausbildern oder Ausbilderinnen oder von anderen weisungsberechtigten Personen erteilt werden,
4. die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung zu beachten,
5. Werkzeug, Maschinen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu behandeln,
6. über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren,
7.einen schriftlichen oder elektronischen Ausbildungsnachweis zu führen.

Quelle: www.gesetze-im-internet.de

Der Auszubildende hat also eine Lernpflicht. Dies bedeutet, er muss bestrebt sein, die berufliche Handlungsfähigkeit erreichen zu wollen und bereit sein, sich dafür aktiv mit den Ausbildungsinhalten auseinander zu setzen, die ihm vom Ausbilder vermittelt werden. Er hat weiterhin die Pflicht an beruflichen Ausbildungsmaßnahmen teilzunehmen, für die er vom Ausbildungsbetrieb freigestellt wird – also dem Berufsschulunterricht oder außerbetrieblichen Maßnahmen. Der Auszubildende ist weiterhin an die Weisungen des Ausbilders gebunden. Er hat somit den Anweisungen und Aufgaben Folge zu leisten, die ihm vom Ausbilder aufgetragen werden. Die Sorgfaltspflicht des Auszubildenden verpflichtet ihn dazu, sorgsam mit den ihm übertragen Ausbildungsmitteln umzugehen und auch die ihm übertragenen Aufgaben sorgfältig auszuführen. Der Auszubildende ist weiterhin verpflichtet regelmäßig seinen Ausbildungsnachweis sorgsam zu führen.

Anforderungen an einen Ausbilder

Mit der immer schnelleren Weiterentwicklung der Arbeitswelt und stetig komplexer werden Prozessen, verändern sich auch die beruflichen Ausbildungs- und Lehrprozesse und gehen mit neuen Tätigkeitsprofilen, Rollen und Verantwortlichkeiten von Ausbildern einher. An die Aufgaben des Ausbilders und auch seine Rolle, werden fortlaufend neue Anforderungen gestellt. Die Qualität der Ausbildung im Unternehmen hängt demnach ganz wesentlich von der Qualifikation dem Engagement der jeweiligen Ausbilder ab. Die Qualifizierung der Ausbilder ist in Deutschland durch das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO) gesetzlich geregelt. Durch Vorbereitungskurse auf die Ausbildereignungsprüfung sollen Ausbilder die Inhalte erlenen, die Sie später im Umgang mit Auszubildenden benötigen und um ihrer Rolle als Lernprozessbegleiter gerecht zu werden.

Für die bevorstehenden Aufgaben als Ausbilder, müssen diese fachlich geeignet sein. Als fachlich geeignet wird entsprechend des Berufsbildungsgesetzes angesehen, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind. Wer ausbilden will, muss also eine Abschlussprüfung im Ausbildungsberuf oder eine Abschlussprüfung an einer deutschen Hochschule in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung bestanden haben, sowie über eine angemessene Berufserfahrung verfügen.

photodune.net © Phovoir

Hierzu gibt es allerdings eine Ausnahmeregelung, die besagt, dass Personen die zwar den Ausbildungsberuf nicht erlernt haben, jedoch bereits das Doppelte der Ausbildungszeit in diesem Beruf tätig sind, ebenfalls ausbilden dürfen. Wenn eine Person beispielsweise eine Ausbildung zum Florist/in abgeschlossen hat und sich irgendwann entschieden hat, in diesem Beruf nicht mehr tätig sein zu wollen, stattdessen jedoch eine Tätigkeit im Büro auszuüben und inzwischen seit acht Jahren in diesem Beruf tätig ist, kann die zuständige Stelle eine Ausnahmegenehmigung ausstellen, auch den Ausbildungsberuf zur Bürokaufmann/- frau ausbilden zu dürfen. Eine entsprechende achtjährige Berufserfahrung kann somit über den Arbeitsvertrag nachgewiesen werden.

Gerade in unserer sich schnell wandelnden Arbeitswelt ist es alltäglich, dass Menschen nicht mehr den Beruf ausüben, den sie einmal gelernt haben. Gäbe es also diese Ausnahmegenehmigung nicht, wäre es für viele Unternehmen noch schwierigerer eine ausreichende Anzahl an Ausbildungspersonal zur Verfügung zu stellen. Ebenso muss ein Ausbilder über eine berufs- und arbeitspädagogische Eignung verfügen, um fachlich geeignet zu sein. Diese Eignung kann mit einer erfolgreich abgeschlossenen AEVO-Prüfung belegt werden.

Zusätzlich zur fachlichen Eignung, muss ein Ausbilder auch persönlich geeignet sein. Persönlich nicht geeignet ist, wer Kinder und Jugendliche nicht ausbilden darf. Dies sind Personen, die schwer gegen das Gesetz verstoßen haben und dafür zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Was dazu führt Kinder und Jugendliche nicht mehr ausgebildet werden dürfen ist in § 25 des Jugendarbeitsschutzgesetzes geregelt. Ebenfalls nicht persönlich geeignet ist, wer schwer oder wiederholt gegen das Berufsbildungsgesetz verstoßen hat. Ist die persönliche Eignung zur Ausbildung einmal verloren gegangen, kann diese mit einer Wartefrist von fünf Jahren (nach der Gefängnisstrafe) wiedererlangt werden.

Ausbildender, Ausbilder und Ausbildungsbeauftragter

Der Ausbildende stellt den Auszubildenden zur Berufsausbildung an. Somit ist der Ausbildende das Unternehmen, beziehungsweise ein Vertreter des Unternehmens. Der Ausbildende ist der Vertragspartner des Auszubildenden. Er stellt den Auszubildenden ein und trägt damit die Verantwortung für eine ordnungsgemäße Berufsausbildung. Ausbildende müssen persönlich geeignet sein. Die fachliche Eignung benötigen Ausbildende nur, wenn sie auch persönlich ausbilden.

In der Regel wird jedoch vom Ausbildenden ein Ausbilder bestellt, der die Ausbildung im Unternehmen umsetzen soll. Der Ausbilder ist die Person, die den Auszubildenden die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse vermittelt, die zur Erlangung der beruflichen Handlungsfähigkeit notwendig. Der Ausbilder muss persönlich und fachlich geeignet sein um ausbilden zu dürfen.

Ausbildungsbeauftragte sind Fachkräfte im Unternehmen, die vom Ausbilder eingesetzt werden, um die Auszubildenden in den Fachabteilungen zu betreuen. Ausbildungsbeauftragte benötigen für Ihre Aufgabe lediglich die persönliche Eignung. Die fachliche Eignung müssen Ausbildungsbeauftragte nicht nachweisen können. Eine ausbildende Fachkraft sollte jedoch in dem Themengebiet, welches dem Auszubildenden vermittelt werden soll, über ausreichend fachliche Kenntnisse verfügen und mit den Inhalten vertraut sein, sowie einige Grundbegriffe der Methodik und Didaktik kennen, sowie gut auf die Aufgabe vorbereitet werden.

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