Ausbilden in einer veränderten Zeit – Wie sich die Anforderungen an Ausbilder wandeln

Ausbilden in einer veränderten Zeit – Wie sich die Anforderungen an Ausbilder wandeln

Bisher ging es in der Ausbildung hauptsächlich darum, Wissen zu vermitteln, welches durch eine Lernerfolgskontrolle direkt nachvollziehbar war und dann wurde durch den Ausbilder bewertet, ob die Inhalte richtig wiedergegeben wurden. Es wurde also gefordert, selbstständiges Denken abzuschalten und stattdessen einfach etwas nachzumachen. Viele Auszubildende haben gelernt, dass wenn wie etwas so wiedergeben, wie der Ausbilder das von mir erwartet, dann bekommen sie eine gute Note oder ein Lob.

Genau das hat dafür gesorgt, dass wir uns in den Unternehmen Mitarbeiter herangezogen haben, die ihre Kreativität, ihre Fähigkeit selbstständig zu denken und ihr Engagement vergessen haben, sondern lediglich dazu gebracht wurden, auszuführen was sich die Führungskräfte zuvor in der Theorie überlegt haben. Die Botschaften waren Eindeutig: Sei unauffällig! Mache es mir (als Führungskraft) recht! Streng Dich an! Sei perfekt!

Sicherlich ist es eine Herausforderung, dass Sie den Auszubildenden einerseits die Inhalte des Ausbildungsrahmenplans vermitteln sollen, auf der anderen Seite jedoch auch Ihre Verhaltensweisen beeinflussen sollen. Sie haben also unter anderem eine erzieherische Rolle, ohne jedoch ein Elternteil zu sein. Das macht es im Ausbildungsalltag nicht immer einfach.

Schon die wohl bekannteste Ausbildungsmethode, die 4 Stufen-Methode, beruht auf diesem Prinzip: der Ausbilder macht etwas vor und der Auszubildende macht es nach. Doch irgendwann haben sich die Anforderungen in der Arbeitswelt verschoben: eine technische Innovation jagt die nächste, Produkte und Produktionsmethoden lösen einander manchmal rasend schnell ab und die Halbwertszeit von Wissen verändert sich. Im Alltag und bei Jugendlichen ist das ganz besonders gut zu erkennen. Fakten-Wissen wird kaum mehr gelernt: es wird einfach gegoogelt. Von (Ausbildungs-) Trends wie digitalem und informellem Lernen, MOOCs und Gamification ganz zu schweigen. Trotz den Verlockungen der Digitalisierung ist es für Unternehmen jetzt wichtiger denn je, sich mit der einzigen Konstanten in diesen Veränderungen zu beschäftigen: dem Menschen.

Förderung, Wertschätzung und Anerkennung: Ich brauche nichts von Dir. Ich habe etwas für Dich!

Die Rolle des Ausbilders besteht eben nicht mehr nur darin Wissen zu vermitteln, sondern es geht vielmehr um eine ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung des Auszubildenden. Es kommen beratende und fördernde Aspekte hinzu. Das stellt Ausbilder vor ganz neue Herausforderungen. Es gilt das Selbstvertrauen in den Auszubildenden zu wecken, damit Sie später als selbstbewusste Erwachsene durchs Leben zu gehen, Ihnen zu helfen den eigenen Charakter zu entwickeln und erfahrbar zu machen, wie Sie sinnvoll mit Rückschlägen umgehen können. Es geht um weit mehr, als nur um Fertigkeiten und Kenntnisse. Das unterscheidet sich radikal von allem, was wir bislang gelernt haben und wie bislang unsere Welt funktionierte: mit einem anerzogenen Programm von Leistung gegen Lob und Anerkennung.

Beginnen Sie deshalb mit einer bewussten Wertschätzung für sich selbst. Jeder wünscht sich Anerkennung ohne etwas dafür geleistet zu haben. Die wertvollste Botschaft die Sie anderen Menschen geben können ist deshalb: Ich brauche nichts von Dir. Ich habe etwas für Dich.

Legen Sie Ihren Fokus auf die Förderung, Wertschätzung und Anerkennung Ihrer Auszubildenden. Menschen wollen in ihrem Tun gesehen werden. Das ist bei Auszubildenden nicht anders als bei Arbeitnehmern. Lassen Sie sich auf Ihre Auszubildenden ein und fragen Sie sich immer wieder, wie Sie sie am besten fördern können, um die nächste Entwicklungsstufe zu nehmen. Dass muss auch nicht bei der bestandenen Abschlussprüfung aufhören, schließlich möchten Sie die jetzigen Auszubildenden als spätere Fachkräfte im Unternehmen halten. Berücksichtigen Sie also auch jetzt schon die Zeit nach der Berufsausbildung.

Schaffen Sie Rahmenbedingungen die Spitzenleistungen ermöglichen

Der größte Motivator für Menschen ist dabei nicht Geld. Bei durchschnittlich 700€-800€ Ausbildungsvergütung im Monat wird es auch kaum daran liegen. Sondern der größte Motivator ist ein Umfeld, in dem sie wachsen und sich entwickeln können. Auf die heutige Generation Z trifft das in größerem Umfang zu, als auf die Generationen zuvor. Auszubildende möchten Anerkennung erfahren und dazu gehören. Und vor allem: bereits Auszubildende möchten gerne den Sinn von dem verstehen was sie tun und an etwas größerem als sie selbst mitarbeiten. Wenn Sie Auszubildenden helfen, sich ganzheitlich weiterzuentwickeln und ihnen das Gefühl zu geben die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten, werden Sie nie wieder Probleme haben Ihren Fachkräftenachwuchs zu halten.

Als Ausbilder ist es unsere Aufgabe, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Spitzenleistungen ermöglichen und Veränderungs- und Selbsterkenntnisprozessen den Weg zu ebnen. Es gilt, das Selbstvertrauen in den Auszubildenden zu wecken, damit Sie später als selbstbewusste Erwachsene durchs Leben gehen, Ihnen zu helfen den eigenen Charakter zu entwickeln und erfahrbar zu machen, wie Sie sinnvoll mit Rückschlägen umgehen können. Es geht um weit mehr, als nur um die auf den Ausbildungsberuf bezogene Vermittlung von Fertigkeiten und Kenntnissen.

Es wird jedoch oft vergessen, dass ein Ausbilder selbst diesen Weg der Persönlichkeitsentwicklung gegangen sein muss, um die Entwicklung der Persönlichkeit des Auszubildenden fördern zu können. Niemand kann einem anderen etwas vermitteln, was er selbst nicht hat. Hier gilt das Sprichwort: „Das Wasser steigt nie höher als bis zur Quelle.“

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