Konzepterstellung für die AEVO-Prüfung

In der praktischen AEVO-Prüfung sollen Sie nachweisen, dass Sie auch komplexe Themen auf das Wesentliche herunterbrechen können, damit diese ganz einfach für jemanden nachvollziehbar sind, der noch verhältnismäßig wenig (Vor-) Kenntnisse in einem Thema hat. In der praktischen Durchführung wird einem Auszubildenden eine Ausbildungseinheit von Anfang bis Ende gezeigt. Eine Ausbildungseinheit ist ein in sich geschlossener, didaktisch gestalteter Ausbildungsabschnitt. Er setzt sich zusammen aus planen, durchführen und kontrollieren.

In der Regel wird vom Prüfungsteilnehmer ein Konzept erstellt, welches dann bei der prüfenden Stelle (Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer) eingereicht wird. Die Anforderungen an das zu erstellende Konzept, können sich je nachdem wo Sie die AEVO-Prüfung ablegen, unterscheiden. Daher sollten Sie sich auf jeden Fall bevor Sie beginnen, auf der Website Ihrer zuständigen IHK informieren, wie genau das Konzept aufgebaut sein soll. Das ist ebenfalls eine gute Möglichkeit, sich zugleich auch über die über die weiteren Prüfungsbedingungen vor Ort kundig zu machen.

Ihr Konzept für eine Durchführung in der praktischen AEVO-Prüfung sollte folgende Inhalte abdecken.

  • Name des Ausbilders und Ausbildungsort
  • Eine Bestätigung die Inhalte selbst erstellt zu haben
  • Das Thema der Unterweisung
  • Angaben zum Auszubildenden, Ort, Zeit, Dauer, eingesetzte Arbeitsmittel, Hinweise zu Datenschutz und Arbeitssicherheit
  • Didaktik – Lernbereiche und Kompetenzen
  • Methodik – gewählte Ausbildungsmethode(n) mit Begründung
  • Ablaufplan der praktischen Durchführung
  • Angaben zur Lernerfolgskontrolle

Diese Punkte können Sie auch für Ihr Inhaltsverzeichnis und die Überschriften der Abschnitte nutzen.

Bestimmen Sie das Lernziel

Bei der praktischen Durchführung einer Ausbildungseinheit in der AEVO-Prüfung sollten Sie darauf achten, das Thema so einfach wie möglich zu halten. Wählen Sie hierfür am besten wenig komplexe Lernziele aus dem ersten Ausbildungsjahr, die noch kein fundiertes Vorwissen erfordern und einfach umzusetzen sind.

Für die Bestimmung des Lernziels, nehmen Sie zunächst den Ausbildungsrahmenplan des jeweiligen Ausbildungsberufs zur Hilfe. Die richtige Lernzielbestimmung eines der wichtigsten Kriterien, die über das Bestehen der AEVO-Prüfung entscheiden. Daher ist es wesentlich, sowohl die Richtlernziele (sehr abstrakt) als auch die Groblernziele (weniger abstrakt) und die Feinlernziele (sehr konkret) auszuweisen, die die Auszubildenden erreichen sollen.

  • Richtlernziele beschreiben die (Aus-) Richtung, in denen Lernen erfolgen soll. Sie bilden die übergeordnete Grundlage, an denen sich die Groblernziele orientieren und lassen dem Ausbilder daher einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Richtlernziele sind meistens nur Schlagwörter, die nicht weiter mit sogenannten Tätigkeitswörtern verbunden sind.
  • Groblernziele werden aus den Richtlernzielen entwickelt und konkretisieren dieses. Es ist bereits eine Beschreibung des gewünschten Endverhaltens enthalten und darin definiert, dass der Auszubildende zu etwas Bestimmten in der Lage sein soll, wenn dieses Lernziel erreicht ist. Groblernziele sind im Ausbildungsrahmenplan zu finden.
  • Der Ausbilder hat die Aufgabe die Groblernziele zu operationalisieren – das bedeutet, sie an betriebsspezifische Erfordernisse anzupassen. Feinlernziele werden aus dem Groblernziel abgeleitet und beschreiben das gewünschte (überprüfbare) Endverhalten nach erfolgreichem Lernen ganz konkret.

Das Richtlernziel und das Groblernziel benötigen Sie um das Feinlernziel für das Thema in Ihrer AEVO-Prüfung. Um das zu verdeutlichen, ein Beispiel des Ausbildungsrahmenplans für den Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im Einzelhandel.

Bild eines Auszugs aus dem Ausbildungsrahmenplan zur Formulierung der Lernziele für die AdA-Prüfung

Die Schlagworte Warenpräsentation, Kundenservice und Preisbildung sind die Richtlernziele. Richtlernziele beschreiben die (Aus-) Richtung, in denen Lernen erfolgen soll. Sie bilden die übergeordnete Grundlage, an denen sich die Groblernziele orientieren und lassen dem Ausbilder daher einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Das Richtlernziel des von Ihnen gewählten Themas, übernehmen Sie unverändert in das schriftliche Konzept für Ihre AEVO-Prüfung.

Groblernziele hingegen, werden aus den Richtlernzielen entwickelt und konkretisieren diese. Es ist bereits eine Beschreibung des gewünschten Endverhaltens enthalten und darin definiert, dass der Auszubildende zu etwas Bestimmten in der Lage sein soll, wenn dieses Lernziel erreicht ist. In diesem Beispiel wäre das „Waren verkaufswirksam präsentieren, Dekorationsmittel einsetzen“. Das Endverhalten wird in diesem Fall über das Wort „präsentieren“ vermittelt. Wenn etwas „präsentiert“ wird, kann es beobachtet werden.

Ein Groblernziel, kann die Basis für mehrere Feinlernziele sein. Ein Feinlernziel beschreibt das genaue Verhalten, welches der Auszubildende am Ende der Ausbildungseinheit aufweisen soll, und lässt dabei keinen Interpretationsspielraum bei der Zielerreichung zu.

Für die Operationalisierung eines Lernziels müssen drei Bedingungen erfüllt werden:

  • Ein beobachtbares Endverhalten muss festgelegt werden
  • Das Feinlernziel muss Angaben enthalten, unter welchen Bedingungen der Auszubildende das Verhalten zeigen soll (hier werden auch Hilfsmittel und Zeitvorgaben festgelegt).
  • Das Feinlernziel muss Angaben enthalten, in welcher Güte das Lernziel erreicht werden soll.

Aus dem erstellten Feinlernziel wird dann die verwendete Ausbildungsmethode abgeleitet. Nun geht es darum, wie dem Auszubildenden die Lerninhalte beigebracht werden sollen. Gehen Sie darauf ein, inwiefern der Lernbereich für dieses Thema geeignet ist und warum die Methode zum Lernbereich passt. Diese Fragestellung kann später auch für das Fachgespräch in der AEVO-Prüfung relevant sein.

Finden Sie heraus welche Lernbereiche angesprochen werden

Nachdem Sie das Thema, das Lernziel und die Ausbildungsmethode für Ihre AEVO-Prüfung ausgewählt haben, geht es darum, wie Sie die Feinlernziele unter Berücksichtigung der Lernbereiche umsetzen. Es geht also darum, wie Sie dem Auszubildenden die Lerninhalte sinnvoll vermitteln.

Die Lernbereiche gehen zurück auf Johann Heinrich Pestalozzi, der gesagt hat: „Ganzheitliches Lernen findet mit Kopf, Herz und Hand statt.“ Der „Kopf“ ist dabei der kognitive Bereich und betrifft eine Veränderung des Wissens. Das „Herz“ steht für die Verinnerlichung von Kenntnissen, die dadurch so selbstverständlich angewendet werden, dass darüber nicht einmal mehr nachgedacht werden muss. Der psychomotorische Lernbereich – die „Hand“ – ist dadurch gekennzeichnet, dass der Auszubildende neue Handgriffe erlernen soll. Nicht nur in der AEVO-Prüfung wird oft der psychomotorische Lernbereich nicht richtig zugeordnet.

  • Kognitiver Lernbereich = beschreibt Wissen, erkennen und begreifen (Kenntnisse)
  • Affektiver Lernbereich = Bereich der Einstellungen, Gefühle, Interessen und Werte (Verhaltensweisen)
  • Psychomotorischer Lernbereich = bezeichnet die manuellen Tätigkeiten (Fertigkeiten)
Bild eines Prüflings bei AEVO-Prüfung

Wählen Sie eine geeignete Ausbildungsmethode aus

Um dem Auszubildenden die Inhalte einer Ausbildungseinheit nahe zu bringen, gibt es verschiedene Ausbildungsmethoden. Die unterschiedlichen Ausbildungsmethoden dienen dazu, mit dem Auszubildenden unter theoretischen und praxisnahen Rahmenbedingungen, in einer vorgegebenen Zeit, ein definiertes Ziel zu erreichen.

Bei der Auswahl der richtigen Ausbildungsmethode für AEVO-Prüfung sind verschiedene Kriterien zu beachten:

  • Die zur Verfügung stehende Zeit
  • Die Ausstattung des Lernortes
  • Die Anzahl der Auszubildenden
  • Die Vorkenntnisse des Auszubildenden
  • Das Thema bzw. der Lernzielbereich des Themas

Um eine passgenaue und interessante Vermittlung der Ausbildungsinhalte zu gewährleisten, stehen Ihnen sowohl für die AEVO-Prüfung, als auch für den Ausbildungsalltag verschiedene Methoden zur Verfügung:

Planen Sie wie Sie den Auszubildenden motivieren

Die Motivation des Auszubildenden spielt bei der AEVO-Prüfung eine wichtige Rolle. Machen Sie dabei jedoch nicht den Fehler, pauschal davon auszugehen Ihr Azubi sei bereits für ein Thema motiviert, nur weil er bei Ihnen eine Ausbildung macht. Es kann durchaus sein, dass der Auszubildende für die Tätigkeit und für das Ausbildungsberufsbild motiviert ist, Sie können jedoch nicht davon ausgehen, dass er genau für das konkrete Thema einer Ausbildungseinheit motiviert ist.

Für Ihre AEVO-Prüfung sollten Sie außerdem die beiden Arten von Motivation kennen: Motivation kann entweder „intrinsisch“ sein, dies bedeutet die Motivation kommt aus dem Auszubildenden selbst oder sie kann „extrinsisch“ sein, indem von außen auf den Auszubildenden eingewirkt wird.

Allgemeine Aussagen wie: „Dieses Thema brauchst Du über Deine gesamte Ausbildungszeit hinweg!“ oder „Das ist ein sehr wichtiges Thema!“, sind weniger geeignet den Auszubildenden zu motivieren. Vor allem nicht, wenn Sie bei jeder Unterweisung erklären, wie wichtig das gleich folgende Thema sein wird. Im praktischen Teil Ihrer AEVO-Prüfung, sollten Sie daher solche pauschalen Aussagen zur Motivation vermeiden.

Erklären Sie Ihrem Auszubildenden vielmehr die Wichtigkeit einer Aufgabe genauer als lediglich pauschale Aussagen zu treffen und zeigen Sie detailliert auf, wie dieses Thema für den späteren Arbeitsalltag und für die Abschlussprüfung ganz genau wichtig ist. Führen Sie hierzu nachvollziehbare Gründe auf. Diese Argumente machen den Unterschied. Ebenfalls sollten Sie darstellen, welche (negativen) Konsequenzen eintreten können, wenn die gestellte Aufgabe nicht richtig erfüllt wird. Ermutigen Sie den Auszubildenden allerdings auch und machen Sie ihm deutlich, dass Sie daran glauben die an ihn gestellte Aufgabe meistern zu können.

Vergessen Sie die Lernerfolgskontrolle nicht!

Jede Ausbildungseinheit muss Kontrollmaßnahmen umfassen, um sicherzustellen, dass der Auszubildende die Lerninhalte verstanden hat. Führen Sie mit dem Auszubildenden konkrete Lernerfolgskontrollen anhand der zuvor definierten Feinlernziele durch.

Eine fest umrissene Übungsphase und die Einbindung der neu erlernten Fähigkeiten, Fertigkeiten oder Kenntnisse in den täglichen Ablauf durch Transferaufgaben dienen der Erfolgssicherung. Dadurch sollen die Auszubildenden Sicherheit in der Anwendung der Lerninhalte entwickeln.

Achten Sie jedoch darauf, den Auszubildenden immer erst nach der Lernerfolgskontrolle zum selbstständigen Üben zu schicken. Selbstständiges Üben ist eine Erfolgssicherung und keine Lernerfolgskontrolle. Eine Kontrolle ist immer der Übungsphase vorgelagert. Wenn Sie den Auszubildenden ohne Lernerfolgskontrolle umgehend zum Üben schicken, läuft er Gefahr sich in der Übungsphase Fehler in der Ausführung anzugewöhnen.

Formulieren Sie den Übungsauftrag so konkret wie möglich. Auch in Ihrer AEVO-Prüfung sollten Sie den Auszubildenden nicht lediglich auffordern an seinen Arbeitsplatz zurückzukehren und selbstständig weiter zu üben. Geben Sie vielmehr eine konkrete Anweisung, wie viele der Arbeitsschritte der Auszubildende als Übung ausführen soll, wie lange er üben soll und ob Sie das Ergebnis noch kontrollieren werden. Wichtig ist es an dieser Stelle Verbindlichkeit zu schaffen.

Achten Sie also in Ihrer AEVO-Prüfung darauf, eine sinnvolle Lernerfolgskontrolle in Ihr Planungskonzept zu integrieren und ebenfalls eine Übungsphase einzuplanen.

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