Basics für Ausbilder: Rechtliche Grundlagen der Ausbildung

Basics für Ausbilder: Rechtliche Grundlagen der Ausbildung

Sowohl in der Ausbildereignungsprüfung als auch in Ihrer Tätigkeit als Ausbilder, wird von Ihnen erwartet, dass Sie die rechtlichen Rahmenbedingungen kennen und deren Bestimmungen im betrieblichen Alltag umsetzen können.

Geltungsbereiche des Ausbildungsrechts

Es gibt drei Bereiche, die es beim Ausbildungsrecht zu berücksichtigen gilt:

  • Gesetzes Recht = ist in den für die Ausbildung gültigen Gesetzen geregelt z.B. Berufsbildungsgesetz, Jugendarbeitsschutzgesetz, Betriebsverfassungsgesetz.
  • Vereinbartes Recht = wird zwischen zwei Vertragsparteien durch übereinstimmende Willenserklärungen vereinbart z.B. Ausbildungsvertrag, Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung
  • Richterrecht/Betriebliche Übung = gängige Rechtsprechung z.B. Anrechnung von Pausen und Wegezeiten der Berufsschule bei volljährigen Auszubildenden.

Das Berufsbildungsgesetz

§ 1 BBiG – Ziele und Begriffe der Berufsbildung

(2) Die Berufsausbildungsvorbereitung dient dem Ziel, durch die Vermittlung von Grundlagen für den Erwerb beruflicher Handlungsfähigkeit an eine Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf heranzuführen.

(3) Die Berufsausbildung hat die für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt notwendigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (berufliche Handlungsfähigkeit) in einem geordneten Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie hat ferner den Erwerb der erforderlichen Berufserfahrungen zu ermöglichen.

Quelle: www.gesetze-im-internet.de

Durch die Berufsausbildung soll der Auszubildende die berufliche Handlungsfähigkeit erlangen und damit in der Lage sein, seine Arbeitsschritte selbstständig planen, durchführen und kontrollieren zu können. Der Ausdruck „einem geordneten Ausbildungsgang“, gibt einen Hinweis darauf, dass einheitlich geregelt ist, wie genau die betriebliche Ausbildung ablaufen soll. Weiterhin sollen die Rahmenbedingungen fortlandend an die veränderten technischen Gegebenheiten und Anforderungen an den Ausbildungsberuf angepasst werden.

In Deutschland findet die Ausbildung im dualen System statt. Die Ausbildung findet sowohl im Betrieb, als auch in der Berufsschule statt. Diese Lernortkooperation ist in §2 des Berufsbildungsgesetzes geregelt. Bei der Kooperation zwischen den Lernorten, sollen sich die Berufsschule und Ausbildungsbetrieb bei der Vermittlung der Lerninhalte abstimmen. Der Ausbildungsrahmenplan regelt dabei die Inhalte, die durch den Ausbildungsbetrieb vermitteln werden sollen, wobei hingegen im Rahmenlehrplan die Inhalte definiert sind, welche durch die Berufsschule vermittelt werden.

Optimalerweise sollte es der Fall sein, dass die Inhalte des Rahmenlehrplan und des Ausbildungsrahmenplans zeitlich aufeinander abgestimmt sind und somit jeweils im Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule zugleich dieselben Themen bearbeitet werden. Berufsschulen vermitteln dabei die theoretischen und fertigungsunabhängigen Lerninhalte und der Ausbildungsbetrieb die praktischen Ausbildungsinhalte. In der Praxis ist das jedoch oftmals nicht genau so umsetzbar, da Ausbildungsbetriebe bedingt durch die individuellen betrieblichen Gegebenheiten nicht immer dem Rahmenlehrplan folgen können. Die Flexibilitätsklausel ermöglicht es Ihnen, die Inhalte so zu planen, damit sie in die betrieblichen Abläufe passen. Berufsschulen hingegen stehen vor der Herausforderung, den verschiedenen Abläufen und Anforderungen der einzelnen Ausbildungsbetriebe gerecht werden zu müssen.

Die Ausbildung in den Betrieben unterliegt dem Berufsbildungsgesetz. Die Ausbildung in den Berufsschulen wird durch die Schulgesetze geregelt. Die Ausbildung in den Berufsschulen, wird vom Bund beziehungsweise durch die Bundesländer finanziert.

Wer darf ausbilden?

Ein Ausbilder muss fachlich und persönlich geeignet sein um ausbilden zu dürfen. Nach § 29 des Berufsbildungsgesetzes ist nicht dazu geeignet auszubilden, wer Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen darf oder wiederholt oder schwer gegen das BBiG oder die auf Grund dieses Gesetzes erlassenen Vorschriften und Bestimmungen verstoßen hat.

Mit dem Bestehen der Ausbildereignungsprüfung erwerben Sie Ihre bundesweite Ausbildungsbefähigung. Allerdings dürfen Sie auch nicht automatisch nach Ihrer bestandenen Ausbildereignungsprüfung ausbilden. Wer ausbilden möchte, muss sowohl über das nötige Fachwissen verfügen, als auch auf organisatorische, pädagogische, psychologische und rechtliche Kenntnisse zurückgreifen können.

Der Ausbildungsbetrieb muss ebenfalls zur Ausbildung geeignet sein. Zunächst muss der Betrieb in Art und Einrichtung dafür geeignet sein ausbilden zu können. Er muss über die entsprechenden Maschinen und Arbeitsmittel verfügen, die eine Ausbildung ermöglichen und ebenfalls die organisatorischen Voraussetzungen für eine Ausbildung erfüllen. Es muss eine Person vorhanden sein, die als Ausbilder geeignet ist und über die notwendigen Qualifikationen verfügt. Der Ausbilder muss aber nicht unbedingt auch der Betriebsinhaber sein.

Die Ausbildungsordnung

In § 5 des Berufsbildungsgesetzes sind die so genannten fünf Mindestinhalte der Ausbildung aufgeführt.

§ 5 BBiG – Ausbildungsordnung

(1) Die Ausbildungsordnung hat festzulegen
1. die Bezeichnung des Ausbildungsberufes, der anerkannt wird,
2. die Ausbildungsdauer; sie soll nicht mehr als drei und nicht weniger als zwei Jahre betragen,
3. die beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die mindestens Gegenstand der Berufsausbildung sind (Ausbildungsberufsbild),
4. eine Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Vermittlung der beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten (Ausbildungsrahmenplan),
5. die Prüfungsanforderungen.

Quelle: www.gesetze-im-internet.de

Die Berufsbezeichnung, ist die Bezeichnung die der Auszubildende nach einer erfolgreich abgeschlossen Berufsausbildung tragen darf. Er kann dann zum Beispiel Kaufmann im Einzelhandel oder Industriekaufmann sein. Durch diese Berufsbezeichnung ist klar geregelt, welchen Ausbildungsberuf der Auszubildende gelernt hat. Bei Ausbildungsberufen mit Spezialisierungen, wie das zum Beispiel beim Kaufmann/-frau im Groß- und Außenhandel der Fall ist, kann entweder die Richtung Großhandel oder Außenhandel vom Auszubildenden gewählt werden.

Weiterhin ist im Ausbildungsrahmenplan ist die Regelausbildungsdauer festgelegt. Von dieser Regelausbildungsdauer kann unter der Berücksichtigung von bestimmten Bedingungen abgewichen werden. Für kaufmännische Berufe beträgt die Regelausbildungsdauer drei Jahre, für technisch-gewerbliche Berufe beträgt die Regelausbildungsdauer dreieinhalb Jahre. Im Ausbildungsrahmenplan sind die so genannten Mindestinhalte geregelt, die der Auszubildende lernen muss und die dort in Form von Richt- und Groblernziel in der sachlichen Gliederung vorgeschrieben sind. Durch die zeitliche Gliederung wird festgelegt, wie lange sich die Auszubildenden mit den einzelnen Ausbildungsinhalten in der Regel beschäftigen müssen. Von diesen Zeiten darf abgewichen werden.

Im Ausbildungsberufsbild sind lediglich Schlagworte definiert, was der Ausbildungsberuf beinhaltet. Die im Berufsbild genannten Punkte, sind deckungsgleich mit den Richtlernzielen des Ausbildungsrahmenplans. Damit können Sie sich als Ausbilder, schnell einen groben Inhalt verschaffen, was der Auszubildende lernen soll.

Die Prüfungsanforderungen in der Ausbildungsordnung legen fest, welche Prüfungen für den Ausbildungsberuf vorgesehen sind. Ebenfalls wird dort definiert, ob eine Zwischenprüfung abgelegt werden soll, oder ob es sich um eine so genannte gestreckte Abschlussprüfung handelt und was genau der Auszubildende in dieser Prüfung leisten muss.

Wie eben bereits erwähnt, handelt es sich bei der im Ausbildungsrahmenplan angegebenen Ausbildungsdauer um eine Regelausbildungsdauer, von der aus den folgenden Gründen abgewichen werden darf:

§ 8 Abkürzung und Verlängerung der Ausbildungszeit

(1) Auf gemeinsamen Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden hat die zuständige Stelle die Ausbildungszeit zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass das Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreicht wird. Bei berechtigtem Interesse kann sich der Antrag auch auf die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit richten (Teilzeitberufsausbildung).

(2) In Ausnahmefällen kann die zuständige Stelle auf Antrag Auszubildender die Ausbildungszeit verlängern, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Vor der Entscheidung nach Satz 1 sind die Ausbildenden zu hören.

Quelle: www.gesetze-im-internet.de

Somit kann auf gemeinsamen Antrag des Auszubildenden und des Ausbildenden eine Verkürzung der Ausbildungsdauer bei der zuständigen Stelle eingereicht werden. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn der Auszubildende eine schulische Vorbildung vorweisen kann. Eine Empfehlung des Bundesinstituts für Berufsbildung gibt an, dass Auszubildende die Ihr Abitur abgeschlossen haben, die Ausbildung bis zwölf Monate verkürzen können. Ein mittlerer Bildungsanschluss, kann zu einer Verkürzung von bis zu sechs Monaten führen. Das ist eine Kann-Bestimmung, die individuell mit dem Auszubildenden vereinbart werden muss.

Sinn macht das jedoch nur dann, wenn der Auszubildende nachweisen kann, in bestimmten Bereichen der Ausbildungsinhalte bereits Kenntnisse zu haben. Ein Beispiel dafür wäre der Abschluss eines Wirtschaftsgymnasiums, wenn der Auszubildende danach eine Ausbildung als Industriekaufmann macht. Wenn er jedoch das Wirtschaftsgymnasium besucht hat und danach eine Ausbildung zum Industriemechaniker oder eine andere Ausbildung im gewerblich-technischen Bereich machen will, dann ist es fraglich ob eine Verkürzung Ausbildungszeit aufgrund der Vorbildung Sinn macht.

Wichtig ist in jedem Fall, dass das Ausbildungsziel in der verkürzten Zeit erreicht werden kann und der Auszubildende die berufliche Handlungsfähigkeit erlangt. Es sollte also bei der Vermittlung der Inhalte aus dem Ausbildungsrahmenplan aufgrund der Vorkenntnisse des Auszubildenden möglich sein, den zeitlichen Aufwand zu reduzieren. Somit kann die Verkürzung der Ausbildung gerechtfertigt werden. Eine Verkürzung der Ausbildungsdauer wird im Ausbildungsvertrag vereinbart.

Ein weiterer Punkt in § 8 des BBiG, ist die so genannte Teilzeitausbildung. Eine Teilzeitausbildung kommt zum Beispiel für Mütter oder Väter infrage oder auch für Personen die pflegebedürftige Angehörige zu Hause haben. Die wöchentliche oder die tägliche Arbeitszeit kann somit bei gemeinsamen Interesse verkürzt werden. Die gesamte Ausbildungszeit sollte sich jedoch nicht verlängern. Wenn in der Ausbildungsordnung eine dreijährige Regelausbildungsdauer festgelegt ist, sollte diese ebenfalls für die Teilzeitausbildung gelten.

In Ausnahmefällen kann die Berufsausbildung verlängert werden. Eine Verlängerung ist nicht möglich, wenn sich ein Auszubildender „nur“ schlecht auf die Abschlussprüfung vorbereitet hat, sondern vielmehr greifen hier nur wirklich wichtige Gründe wie etwa attestierte Lernschwierigkeiten oder Lernbehinderungen.

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