Die 4-Stufen-Methode und das Lehrgespräch

In der praktischen AEVO-Prüfung können Sie als Prüfungsteilnehmer sowohl das Thema, als auch die verwendete Ausbildungsmethode frei wählen. Einzig müssen die 15 Minuten Zeitvorgabe eingehalten werden. Das ist ein großer Vorteil, den Sie sinnvoll nutzen sollten, um Ihre AEVO-Prüfung erfolgreich zu bestehen.

Zwei für die praktische Durchführung in der AEVO-Prüfung geeignete Ausbildungsmethoden sind die 4-Stufen-Methode und das Lehrgespräch. Der Ablauf ist bei beiden Ausbildungsmethoden vergleichbar aufgebaut:

  • Einstieg in die Ausbildungssituation
  • Durchführung (Stufe 2 und Stufe 3 bei der 4-Stufen-Methode)
  • Abschluss

In der Einstiegsphase begrüßen Sie den Auszubildenden. Falls Sie sich bislang nicht kennen sollten, was zum Beispiel der Fall ist, wenn der Auszubildende für die AEVO-Prüfung von der IHK gestellt wird, stellen Sie sich vor und berichten Sie kurz über Ihren beruflichen Hintergrund, Ihre Aufgaben und Ihr Unternehmen. Um mit dem Auszubildenden vertraut zu werden, fragen Sie nach seinem Ausbildungsberuf, seinen Aufgaben im Unternehmen sowie seinen bisherigen praktischen Erfahrungen.

Wenn Sie den Auszubildenden bereits kennen, dann ist an dieser Stelle freundlicher „Small Talk“ der Situation angemessen. Das können Fragen sein wie „Was haben wir beim letzten Mal gemacht?“, „Wie bist du dabei vorgegangen?“, „Was weißt du noch davon?“. Lassen Sie den Auszubildenden die bekannten und relevanten Inhalte wiederholen. Damit können Sie die Atmosphäre etwas auflockern und den Auszubildenden (und sich selbst) beruhigen, damit er bereit ist, sich auf die gleich folgenden Lerninhalte einzulassen. Fragen Sie ihn auch, ob es ihm gut geht und ob er sich gerade dazu in der Lage fühlt, etwas Neues zu lernen.

Nennen Sie dem Auszubildenden zunächst das Lernziel dieser Ausbildungseinheit. Das ist sowohl für die AEVO-Prüfung als auch für die Praxis ein relevanter Punkt. Dadurch weiß er bereits vor dem Beginn der Ausbildungseinheit, was auf ihn zukommt, und kann reflektieren, ob er verstanden hat, worum es geht. Dem Lernziel kommt dabei auch die Aufgabe zu, den Auszubildenden zu motivieren.

Gerade im Hinblick auf die Motivation – sowohl die intrinsische als auch die extrinsische – ist es wichtig, dem Auszubildenden den Sinn und Zweck der Aufgabe aufzuzeigen, damit er deren Bedeutung für das Unternehmen verstehen kann. Dadurch sieht er, welchen Beitrag er durch diese Tätigkeit für das Unternehmen leistet und welche negativen Konsequenzen Fehler hätten. Gleichzeitig sollten Sie dem Auszubildenden in Aussicht stellen, dass er diese Tätigkeit, sobald er sie selbstständig und sicher durchführen kann, im künftigen betrieblichen Prozess eigenständig und eigenverantwortlich übernehmen darf, womit Sie ihm Verantwortung übertragen.

Neue Lerninhalte sollten an das bereits Bekannte anknüpfen. Um zu wissen, worauf Sie überhaupt aufbauen können, müssen Sie die Vorkenntnisse des Auszubildenden erfragen. Sollten Sie den Auszubildenden schon kennen, machen Sie nicht den Fehler, ihm Vorkenntnisse kurzerhand zu unterstellen. Auch wenn der Auszubildende vielleicht schon drei Monate in Ihrer Abteilung eingesetzt ist und Sie womöglich auch den Unterrichtsstoff aus der Berufsschule kennen, müssen Vorkenntnisse auch in der AEVO-Prüfung immer hinterfragt werden.

Nur weil bestimmte Ausbildungsinhalte bereits abgearbeitet wurden, ist das keine Garantie dafür, dass der Auszubildende die Inhalte auch wirklich verstanden hat. Finden Sie in jedem Fall heraus, was Ihr Auszubildender schon weiß und was nicht.

Stellen Sie dazu gezielte Fragen und verlassen Sie sich nicht auf allgemeine oder womöglich sogar oberflächliche Antworten. Wenn Sie durch Ihre Fragen herausfinden, dass Ihr Auszubildender wirklich sehr gute Vorkenntnisse hat und die Tätigkeit bereits vollständig beherrscht, sollten Sie darüber nachdenken, ob Sie dem Auszubildenden die Handgriffe überhaupt noch vormachen müssen oder ob Sie ihm nicht den Ball zuspielen, indem Sie ihn die Handlungen vorführen lassen.

Zum Einstieg in die Ausbildungseinheit stellen Sie außerdem den Zusammenhang zum Gesamtprozess her, damit der Auszubildende einzelne Arbeitsabschnitte darin einordnen kann.

Durchführung der 4-Stufen-Methode in der AEVO-Prüfung

Bekanntermaßen besteht die 4-Stufen-Methode aus:

  • Stufe 1 – vorbereiten
  • Stufe 2 – vormachen und erklären
  • Stufe 3 – nachmachen und erklären lassen
  • Stufe 4 – üben

  1. Stufe – vorbereiten

Eine Ausbildungseinheit will gut vorbereitet sein. Daher geht es in der ersten Stufe sowohl um Ihre eigene Vorbereitung als auch um die Vorbereitung des Auszubildenden durch Sie als Ausbilder. Mit den Details zur Einstiegsphase, in diesem Fall zur ersten Stufe der 4-Stufen-Methode, haben wir uns im vorangegangenen Abschnitt bereits beschäftigt.

  1. Stufe vormachen und erklären

Sie als Ausbilder machen die Arbeitsabläufe auch in der AEVO-Prüfung Schritt für Schritt vor. Das sollten Sie langsam und strukturiert tun und dafür sorgen, dass der Auszubildende die einzelnen Handgriffe gut sehen kann. Dabei beschreiben Sie, was getan werden muss und warum das so ist, und Sie ergänzen Erklärungen und Hinweise, wie sich der Lernende verhalten soll.

Verweisen Sie dazu auch auf die von Ihnen eingesetzten Medien. Beim Einsatz einer Pinnwand zum Beispiel können Sie auf die Bebilderung zur Verdeutlichung der einzelnen Arbeitsschritte hinweisen.

Prüfen Sie immer wieder, ob der Auszubildende Ihren Ausführungen noch folgt oder ob er mit seinem Blick und seinen Gedanken abschweift. Beziehen Sie ihn immer wieder durch kleinere Fragen mit ein oder lassen Sie ihn die eingesetzten Arbeitsmittel anfassen.

  1. Stufe nachmachen und erklären

Auf dieser Stufe soll der Auszubildende nun die Arbeitsschritte, die Sie ihm gerade gezeigt haben, alleine nachvollziehen. Der Inhalt sollte dabei leicht modifiziert werden. Fordern Sie den Auszubildenden dazu auf, die einzelnen Vorgänge zu kommentieren. Er sollte erklären können, was er wie und warum tut.

Auch wenn der Auszubildende von sich aus beschreibt, was er tut, sollten Sie die Handgriffe, die er ausführt, durch offene Fragen kritisch beleuchten. Wenn er einen Fehler macht oder das Ergebnis nicht gleich so ist, wie Sie es gern hätten, sollten Sie die einzelnen Schritte hinterfragen, anstatt bei Fehlern sofort einzugreifen und die richtige Lösung vorzugeben.

Die Durchführung einer Lernerfolgskontrolle zeigt immer, ob der Auszubildende die Inhalte der Ausbildungseinheit wirklich verstanden hat oder nur Ihre Handgriffe nachahmt.

  1. Stufe – üben

Da sich nun das Gelernte zeitnah festigen soll, arbeitet der Auszubildende aktiv selbst an der Aufgabenstellung weiter. Nachfolgend werden wir noch detailliert auf den Abschluss der Ausbildungseinheit eingehen.

Durchführung des Lehrgesprächs in der AEVO-Prüfung

Auch in Bezug auf das Lehrgespräch wurden die wichtigen Punkte zur Einführung bereits genannt und auf den Abschluss gehen wir gleich noch ein.

Das Lehrgespräch basiert in seiner Durchführung auf einer Gesprächsform, bei der Sie als Ausbilder, anknüpfend an bereits vorhandene Vorkenntnisse, den Inhalt der Ausbildungseinheit durch zielgerichtete Fragen und Impulse entwickeln und so das gewünschte Ergebnis erreichen. Es kann sowohl mit einem als auch mit mehreren Auszubildenden durchgeführt werden.

Wenn Sie als Ausbilder nach dem „Warum“ einer Handlung fragen, sind die daraus gewonnenen Erkenntnisse besonders wichtig für den Auszubildenden, da er so die Hintergründe seiner Handlungen verstehen kann. Weiß der Auszubildende einmal nicht weiter, sollten Sie nicht selbst Ihre zuvor gestellten Fragen beantworten. Helfen Sie ihm vielmehr auf die richtige Spur, indem Sie Ihre Fragen umformulieren oder Alternativfragen stellen.

Zum Abschluss der praktischen Unterweisung stellen Sie in der AEVO-Prüfung sowohl bei der 4-Stufen-Methode als auch beim Lehrgespräch sicher, dass der Auszubildende die Lerninhalte tatsächlich verstanden hat, indem Sie eine Lernerfolgskontrolle durchführen. Dazu können Sie Kontrollfragen stellen. Das kann in Form eines kleinen Tests oder eines kurzen Fragebogens geschehen, auf dem die wesentlichen Punkte aufgeführt sind. Sie können jedoch auch den Auszubildenden die Tätigkeit noch einmal ausführen lassen oder ihn bereits angefertigte Werkstücke auf Funktionalität überprüfen lassen.

Geben Sie dem Auszubildenden jetzt auch Feedback. Dieses sollte immer zielführend sein, ihn bei seiner weiteren Tätigkeit voranbringen und beim nächsten Mal unterstützen. „Super!“, „Toll!“ oder „Klasse!“ reicht als Feedback nicht aus. Konkretisieren Sie, was genau der Auszubildende gut gemacht hat. Feedback ist eine Rückmeldung und muss nicht immer positiv sein. Wenn es angebracht ist, geben Sie ruhig Anhaltspunkte, was er beim nächsten Mal besser machen kann.

Erteilen Sie im Anschluss einen konkreten Übungsauftrag an den Auszubildenden. Er soll wissen, wie viel, wie lange und wo er üben muss. Vor allem jedoch sollten Sie ihn informieren, dass die Ausführungen abschließend noch kontrolliert werden. Diese finale Kontrolle ist wichtig, damit die Übungen auch gewissenhaft durchgeführt werden.

Zu guter Letzt sprechen Sie auch in der AEVO-Prüfung noch den Eintrag der Ausbildungseinheit im Ausbildungsnachweis an.

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