Auszubildende mit Werten führen

Immer wieder stellen sich Ausbilder die Frage, was bei der Führung von Auszubildenden „das Richtige“ ist. Schließlich wird oft empfohlen, sich den Auszubildenden anzupassen. Auch wenn es sinnvoll ist, die Reaktion auf die unterschiedlichen Situationen des Ausbildungsalltags und die Anforderungen der Auszubildenden abzustimmen, macht es doch keinen Sinn, Ihre Vorgehensweise und Ihre Überzeugungen für jeden einzelnen Auszubildenden ändern zu wollen, nur damit er damit glücklich ist. Sie sind es dann nämlich mit Sicherheit nicht.

Das Geheimnis guter Führung liegt vielmehr darin, Ihre Werte zu kennen, ausdrücken zu können wofür Sie stehen und sich selbst führen zu können. Denn radikal betrachtet, können Sie niemand anders als sich selbst wirkungsvoll führen. Sie können jedoch in Führung gehen, indem Sie Orientierung geben, Ihre Auszubildenden inspirieren, Ihre Werte teilen und Sie können natürlich Vorbild sein.

Dann war es das aber auch. Alles andere ist Zwang und vergrault genau diejenigen, die wir uns zu beeinflussen wünschen.

Wenn Menschen sich in Ihrem Umfeld besser fühlen als ohne Sie, kommt alles andere von ganz alleine. Das heißt ausdrücklich nicht, jeder darf immer machen was er will. Es gibt durchaus Situationen, in denen Sie direkt führen müssen. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn es um Aspekte der Arbeitssicherheit geht, die wenn sie nicht eingehalten werden, für den Auszubildenden gesundheitliche Gefährdungen mitbringen oder wenn rechtliche oder betriebliche Vorgaben beachtet werden müssen.

Wenn jedoch sonst der emotionale Grundton stimmt, werden Ihre Auszubildenden eindeutige Anweisungen und klare Worte, auch in Form von Kritik, von Ihnen akzeptieren, da sie Ihnen vertrauen.

Gute Führung fängt deshalb bei der Selbstführung an. Selbstführung ist dabei nicht nur für einige disziplinierte Menschen, die mit Verbissenheit Ihren Zielen hinterherrennen und versuchen alle Ergebnisse um sich herum zu kontrollieren. Das ist damit gar nicht so sehr gemeint.

Mal davon abgesehen, dass Sie die Umstände um sich herum gar nicht kontrollieren können, weil Sie schlicht und ergreifend nicht alle anderen Menschen mit denen Sie in Kontakt treten kontrollieren können.

Selbstführung ist die Fähigkeit eines Menschen, sein auf ein Ziel ausgerichtetes Denken, Fühlen und Handeln bewusst zu wählen und zu steuern, damit dieses erreicht werden kann.

Doch bevor Sie sich selbst führen wollen, müssen Sie sich zunächst einmal kennen. Deshalb ist die Selbstreflexion ein ganz zentraler Baustein. Selbstreflexion ist ein Prozess, in dem Sie sich selbst und Ihre Denkweisen (also die Art und Weise, wie wir denken) beobachten, um Ihre Ziele, Prinzipien, Motive und Verhalten besser zu verstehen und dadurch im nächsten Schritt zielgerichtet handeln zu können.

Die eigenen Gefühle, Gedanken und Verhaltensweisen zu beobachten ist auch nichts, was man nur einmal macht und dann nie wieder, sondern ein fortlaufender und ganz persönlicher Prozess mit vielen Höhen und Tiefen.

Das sind Fragen, die sich die wenigsten Menschen stellen wie etwa

  • Was genau lässt mich so denken und fühlen wie ich es jetzt tue?
  • Wie hängen meine Gefühle und Verhaltensweisen mit externen Ereignissen zusammen?
  • Wie gehe ich mit mir und anderen Menschen um?

Wenn wir uns damit beschäftigt haben, was uns bewegt können wir mit der kognitiven Selbstführung beginnen: Es geht also zunächst darum, sich mit den persönlichen Zielen im beruflichen und privaten Umfeld auseinanderzusetzen und Strategien zu etablieren, um bestehende Denkblockaden zu überwinden und Gedankenmuster zu durchbrechen. Wann haben Sie sich zum letzten Mal gefragt: Was will ich wirklich? Was macht mich glücklich? Für welche Werte stehe ich?

Sich damit auseinanderzusetzen, was Sie bewegt und was Sie erreichen wollen, hat den Vorteil, dass Sie Ihre Arbeitsaufgaben, als kleine Schritte auf dem Weg dazu sehen, Ihr Ziel zu erreichen. Sie werden diese dann deutlich motivierter anpacken und mit der Motivationssteigerung sind Sie bereits mitten in der emotionalen Selbstführung.

Jede Situation löst bei uns starke oder weniger starke, positive oder negative, Emotionen aus. Wenn wir uns ungefiltert darauf einlassen, werden diese Emotionen unsere Handlungen bestimmen.

Bei der emotionalen Selbstführung geht es darum, unsere Emotionen bewusst zu wählen und Gefühle zu stärken, mit denen wir uns gut fühlen. Indem wir positive Emotionen oder Ereignisse mit unseren Aufgaben oder Zielen verbinden, diese immer wieder bewusst erleben und in die Zukunft gerichtet ausmalen, beeinflussen wir unsere Motivation und wie wir mit uns selbst und anderen Menschen umgehen.

Wie sehr unsere Emotionen unsere Handlungen beeinflussen, können Sie immer wieder an sich selbst oder anderen Menschen beobachten: Situationen in die wir kommen oder Dinge die Andere zu uns sagen, bewegen uns so sehr, dass wir impulsiv darauf reagieren. Manchmal bereuen wir das im Nachhinein sogar ziemlich. Besonders in Situationen, die wir als Herausforderung wahrnehmen ist das oft der Fall.

Bei der verhaltensbezogenen Selbstführung nehmen wir uns die Zeit, die Konsequenzen von Verhaltensalternativen gegeneinander abzuwägen und aus den Alternativen gezielt zu wählen, wie wir in der Situation agieren wollen. Wir reagieren nicht einfach auf das, was vor uns liegt, sondern wir haben eine Wahl.

Erst nachdem Sie herausgefunden haben, wie Sie ticken, für was Sie stehen und was Sie bewegt, können Sie anfangen sich Gedanken darüber machen, andere Menschen zu führen. Das beginnt mit der Entscheidung, für Ihre Werte einzutreten.

Den ersten wichtigen Schritt, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, sollten Sie nicht auslassen.

Wohin würden Sie andere führen außer in noch mehr Unklarheit, wenn Sie Ihre eigenen Werte nicht kennen?

Wenn Sie jedoch mit Ihren neuen Erkenntnissen nicht in Kontakt mit der Außenwelt treten, wird keiner davon erfahren. Teilen Sie also mit, was Sie wollen und was Ihre Ziele sind. Das ist dann der Moment, indem Sie anfangen zu führen.

Denken Sie hier bitte daran: Es geht nicht darum, Anweisungen zu geben.

Sie führen andere Menschen, indem Sie sie für Ihre Sache gewinnen, indem Sie eine Vision von etwas schaffen, an dem diese Personen gerne mitwirken wollen. Menschen möchten in ihrem Tun einen Sinn sehen und an etwas Größerem beteiligt sein, als sie selbst es alleine sind.

Sie übernehmen dann auch Verantwortung. Verantwortung wohlgemerkt nicht für alles was Ihre Auszubildenden ab diesem Moment tun, das sind schließlich immer noch selbst denkende Menschen. Eine Ausbildungsleiterin pflegte zu sagen: „Meine Auszubildenden sind alle 18 und geimpft – die kann man auch mal alleine was machen lassen.“

Damit hat sie völlig recht. Sie übernehmen jedoch Verantwortung dafür, die Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die die Auszubildenden brauchen, um gute Leistungen erbringen zu können.

Folgende beispielhafte Situation kommt in der Praxis immer wieder vor: der Auszubildende wechselt die Abteilung und kommt genauso wie es von ihm erwartet wurde am ersten Arbeitstag zur ausbildenden Fachkraft und meldet sich.

Statt einem „Herzlich willkommen! Schön, dass Du da bist!“ gibt es einen irritierten Blick und ein halbherziges „Ach, das ist heute schon?“.

Sie können sich jetzt sicherlich ganz einfach vorstellen, dass der Arbeitsplatz nicht vorbereitet ist, die Zugänge für die IT-Programme womöglich nicht funktionieren und generelle Ratlosigkeit darüber herrscht, welche Ausbildungseinheit zuerst durchgeführt wird.

Wie wollen Sie bei solchen Gegebenheiten vom Auszubildenden eine gute Leistung erwarten? Da fehlt vollständig das Gefühl der Wertschätzung auf der Seite des Auszubildenden.

Hier funktioniert dann noch nicht einmal das anerzogene Programm: Leistung gegen Anerkennung, da der Auszubildende noch nicht einmal die Rahmenbedingungen geboten bekommt, um etwas leisten zu können.

Zusätzlich ist die Motivation hier gleich mit verschwunden – wenn Sie sonst einiges richtig gemacht haben, allerdings nur kurzfristig.

Der Übergang davon andere Menschen zu führen, hin zur Führung des Arbeitsbereiches ist dann nur ein kleiner Schritt. Zur Führung des Arbeitsbereiches gehören nicht nur Personen, sondern ebenfalls die Einhaltung von Arbeitssicherheitsbestimmungen und der Gesundheitsschutz sind zum Beispiel ein Teil davon.

Über kurz oder lang, werden Sie dann in Ihrem Umfeld etwas verändern. Indem Sie Orientierung geben und über Ihre Werte führen, werden Sie zur wahren Führungskraft, weit über die Unternehmensgrenzen und über Ihr eigenes Umfeld hinaus.

Das geht schneller und ist einfacher als Sie vielleicht jetzt noch glauben.

Bild von Ausbildungsbeauftragtem mit Azubi
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