Wissen für die AEVO-Prüfung: Jugendarbeitsschutzgesetz

Mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz sollen Jugendliche vor Tätigkeiten geschützt werden, die zu früh beginnen, zu lange dauern, zu schwer sind, sie gefährden oder in anderer Weise ungeeignet sind. So soll sichergestellt werden, dass die Entwicklung der Jugendlichen ungestört verlaufen kann und ihre die Gesundheit nicht gefährdet wird. Auch in der schriftlichen AEVO-Prüfung, werden Sie Fragen zu den Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes erwarten.

Für wen gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz?

Für Ihre AEVO-Prüfung sollten Sie zunächst wissen, für wen das Jugendarbeitsschutzgesetz eigentlich gilt. Es gilt nämlich nicht für Auszubildende, sondern für die Beschäftigung von Personen, die noch nicht 18 Jahre alt sind. Also sowohl, wenn sich die jungen Menschen in einer Berufsausbildung befinden, als auch bei einer Beschäftigung als Arbeitnehmer oder Heimarbeiter. Dementsprechend fällt auch ein minderjähriger Arbeitnehmer unter die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes und dessen Bestimmungen sind anzuwenden. Das Jugendarbeitsschutzgesetz definiert einen Jugendlichen als Person, die bereits 15 Jahre, aber noch nicht 18 Jahre alt ist. Für Personen unter 15 Jahren wird die Bezeichnung „Kind“ verwendet. Bei Fragen in Ihrer AEVO-Prüfung bei denen ein Alter des Auszubildenden angegeben ist, sollten Sie zunächst also immer prüfen, ob die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetztes oder zum Beispiel des Arbeitszeitgesetzes anzuwenden sind.

Wie lange dürfen Auszubildende beschäftigt werden?

Die mögliche Arbeitszeit für Jugendliche ist im § 8 Arbeitsschutzgesetz definiert. Jugendliche dürfen nicht mehr als acht Stunden täglich und nicht mehr als 40 Stunden wöchentlich beschäftigt werden. Die Arbeitszeit ist von Beginn der Tätigkeit bis zum Ende der Tätigkeit ohne die jeweiligen Pausen definiert. Möglich ist jedoch eine Ausnahmeregelung, bei der ein jugendlicher Auszubildender an einem Tag pro Woche mehr als 8 Stunden beschäftigt werden darf. Dies gilt jedoch nur, sofern er an einem Tag in der gleichen Woche, weniger als 8 Stunden eingesetzt wird. Sollte es durch die betriebliche Organisation also einmal erforderlich sein, dass ein Auszubildender als an einem Tag 8,5 Stunden eingesetzt wird, so muss er an einem anderen Tag mindestens ein Ausgleich von einer halben Stunde bekommen und darf an diesem Tag maximal 7,5 Stunden beschäftigt werden.

In Summe sind die höchstmöglichen 40 Stunden pro Woche zu beachten. Diese dürfen nicht überschritten werden.

Bei mehr als 4,5 Stunden Arbeitszeit, muss den Auszubildenden entsprechend § 11 Jugendarbeitsschutzgesetz mindestens 30 Minuten Pause gewährt werden. Sobald der Auszubildende mehr als 6 Stunden arbeitet, stehen ihm 60 Minuten Pause zu. Eine Pause gilt jedoch erst ab 15 Minuten auch als Pause. Alle Arbeitsunterbrechungen unter 15 Minuten, dürfen nicht als Pause gewertet werden. Achten Sie also bei Fragen in der schriftlichen AEVO-Prüfung darauf, wie lange der Auszubildende ohne Pause eingesetzt wurde.

Der Auszubildende muss außerdem die Möglichkeit haben, seine Pause ungestört verbringen zu können und darf seine Pause nicht an einem Ort verbringen, wo weiterhin gearbeitet wird. Sofern es einem Unternehmen nicht möglich ist, einen Pausenraum als Rückzugsort zur Verfügung zu stellen, dann muss an dem Ort, an dem der Auszubildende beschäftigt ist, für die Dauer der Pause, die Arbeit eingestellt werden. Die Ruhepausen zählen außerdem nicht zur Arbeitszeit. Bei einer Arbeitszeit von acht Stunden und einer Stunde Pause, wäre der Ausbilder also neun Stunden im Betrieb.

Welche Ruhezeiten gelten für jugendliche Auszubildende?

Von dem Zeitpunkt aus, an dem der Auszubildende nach Hause geht, bis zu dem Zeitpunkt an dem er das nächste Mal seine Arbeit wieder aufnimmt, müssen mindestens 12 Stunden dazwischen liegen. Dies ist in § 13 des Jugendarbeitsschutzgesetzes geregelt. Diese Freizeit, steht dem Auszubildenden frei zur Verfügung und er kann sie nutzen, wie er gerne möchte. In dieser Freizeit, dürfen Sie als Ausbilder nicht verlangen, dass er Ausbildungsinhalte Nacharbeitet. Dies gilt als auch für den schriftlichen Ausbildungsnachweis. Sie müssen dem Auszubildenden die Möglichkeit geben, sein Berichtsheft am Arbeitsplatz zu führen.

Entsprechend des § 14 Jugendarbeitsschutzgesetz, dürfen jugendliche Auszubildende nur in der Zeit von 6:00 Uhr bis 20:00 Uhr beschäftigt werden. Für diese Bestimmung, gibt jedoch verschiedene Ausnahmeregelungen. So dürfen zum Beispiel Auszubildende in der Landwirtschaft und in Bäckereien auch vor 6:00 Uhr eingesetzt werden. Der Gastronomie hingegen, besteht die Möglichkeit, dass Auszubildende maximal bis 22:00 Uhr beschäftigt werden. Damit wird das Jugendarbeitsschutzgesetz den besonderen Anforderungen der verschiedenen Ausbildungsberufe gerecht.

Fragen die prüfen, ob mit bestimmten Arbeitszeiten bei Jugendlichen ein Verstoß gegen gesetzliche Bestimmungen vorliegt, sind auch in der AEVO-Prüfung immer wieder anzutreffen. Daher sollten Sie sich mit den zulässigen Arbeitszeiten vertraut machen. Für Ihre AEVO-Prüfung sollten Sie sich daher mit den §§ 8, 11, 13 und 14 des Jugendarbeitsschutzgesetztes vertraut machen, damit Sie nicht jede Frage im Gesetzbuch nachschlagen müssen.

Bild eines Prüflings bei AEVO-Prüfung

Jugendliche Auszubildende dürfen nur an 5 Tagen in der Woche beschäftigt werden

Der § 15 Jugendarbeitsschutzgesetz regelt, dass Jugendliche nur an fünf Tagen in der Woche beschäftigt werden dürfen. Die beiden wöchentlichen Ruhetage sollen nach Möglichkeit aufeinander folgen. In der Regel sind das der Samstag und der Sontag, denn § 16 Jugendarbeitsschutzgesetz legt fest, dass Jugendliche Samstags und Sonntags nicht beschäftigt werden dürfen. Hierzu gibt es allerdings sehr viele Ausnahmen. Das ist zum Beispiel im Einzelhandel, in der Landwirtschaft, im Verkehrswesen, in der Gastronomie oder auch bei außerbetrieblichen Maßnahmen der Fall. Wichtig ist hier, dass der Auszubildende nicht konsequent jeden Samstag und Sonntag beschäftigt werden darf, sondern dass maximal zwei dieser Tage pro Monat genutzt werden dürfen.

Dafür für Auszubildende eine fünf Tage Woche gilt, wenn er am Samstag oder Sonntag arbeiten müssen, dass er Ausgleich eine Freistellung anderen berufsschulfreien Tage erhält. Auch in diesem Fall sollten die Ruhetage aufeinander folgenden, damit sich der Auszubildende ausreichend erholen kann.

Die Teilnahme an der Berufsschule ist für Auszubildende Pflicht!

Ein Jugendlicher ist zum Besuch der Berufsschule freizustellen. Als Ausbildungsbetrieb müssen Sie als Ihren Auszubildenden an der Berufsschule teilnehmen lassen und dürfen ihn nicht dazu auffordern zur Arbeit zu kommen.

Nicht nur für die AEVO-Prüfung, sondern auch für den Alltag als Ausbilder, sollten Sie sich im Klaren sein, wann Sie den Auszubildende nach der Berufsschule noch in den Betrieb holen dürfen und wann nicht. Entsprechend § 9 des Jugendarbeitsschutzgesetzes dürfen berufsschulpflichtige Jugendlichen an einem Berufsschultag der spätestens um 9:00 Uhr beginnt davor nicht beschäftigt werden. Diese Regelung gilt auch als Ausnahme für berufsschulpflichtige Erwachsene. Beginnt der Berufsschulunterricht eines Auszubildenden zum Beispiel um 8:30 Uhr beginnt, dürfen Sie ihn vorher nicht mehr im Unternehmen einsetzten.

An Berufsschultagen mit mehr als fünf Unterrichtseinheiten zu je 45 Minuten, besteht ebenfalls ein Beschäftigungsverbot. Dieser Unterrichtstag wird bei Jugendlichen mit acht Zeitstunden auf die gesetzliche Höchstarbeitszeit für 40 Stunden wöchentlich angerechnet. Hier gilt allerdings die Ausnahmeregelung einmal pro Woche. Sollte der Auszubildende also an zwei Tagen pro Woche, zum Beispiel Dienstag und Donnerstag, jeweils mehr als fünf Unterrichtseinheiten haben, so dürfen Sie ihn einmal pro Woche nach der Berufsschule noch im Unternehmen einsetzen. Das würde bedeuten an einem Tag hätte zum Beispiel am Dienstag frei und müsste am Donnerstag nach der Berufsschule noch in den Ausbildungsbetrieb kommen. Das sollten Sie jedoch nur umsetzten, wenn in der Zeit für die er dann in den Ausbildungsbetrieb kommt, noch eine sinnvolle Ausbildungstätigkeit möglich ist.

Wieviel Urlaub steht jugendlichen Auszubildenden zu?

Die Urlaubsansprüche des jugendlichen Auszubildenden sind in § 19 Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt. Diesen Paragraphen sollten Sie also auch für Ihre AEVO-Prüfung kennen. Urlaub steht dem Auszubilden pro Kalenderjahr zu, wobei das Alter des Auszubildenden zu Beginn des Kalenderjahres zu beachten ist.

Demnach beträgt der Urlaub jährlich
• mindestens 30 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt ist,
• mindestens 27 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 17 Jahre alt ist,
• mindestens 25 Werktage, wenn der Jugendliche zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 18 Jahre alt ist.

Da das im Jugendarbeitsschutzgesetz (und auch im Bundesurlaubsgesetz) ausschließlich Werktage berücksichtigt sind, Auszubildende jedoch eine Fünftagewoche haben, müssen die Werktage in Arbeitstage umgerechnet werden. Der Urlaubsanspruch richtet sich nicht nach dem Ausbildungsjahr, sondern immer nach dem Kalenderjahr. Anteilige Urlaubsansprüche, können über die ein Zwölftel-Regelung berechnet werden.

Hierzu ein Beispiel, wie es auch in Ihrer AEVO-Prüfung vorkommen kann:
Ihr Auszubildender Maximilian macht in Ihrem Unternehmen eine Ausbildung zum Kaufmann für Bürokommunikation. Er ist im zweiten Ausbildungsjahr. Er hat am 31. Juli seinen 18 Geburtstag gefeiert. Wie viel Werktage Urlaub Maximilian zu?

Richtige Antwort: Maximilian stehen 25 Werktage Urlaub zu, da er zu Beginn des Kalenderjahres noch 17 Jahre alt war (§ 19 Jugendarbeitsschutzgesetz).

Da Auszubildende eine Fünftagewoche haben, müssen nun die angegebenen Werktage noch in Arbeitstage umgerechnet werden.
In unserem Fall, würde die Rechnung lauten: (27 Werktage / 6) x 5 = 22,5 Arbeitstage.
Damit würde Maximilian für dieses Kalenderjahr 22,5 Arbeitstage Urlaub zustehen.

Achten Sie in Ihrer AEVO-Prüfung also darauf, wie alt der Auszubildende bei den Fragestellungen zu Beginn des Kalenderjahres ist und ob in der Frage bzw. den Antworten, von Werktagen oder Arbeitstagen gesprochen wird.

Pflicht einer ärztlichen Erstuntersuchung vor dem Beginn der Ausbildung

Bevor ein jugendlicher Arbeitnehmer eine Ausbildung bei Ihnen anfängt, muss entsprechend § 32 Jugendarbeitsschutzgesetz eine ärztliche Erstuntersuchung vorliegen, in welcher ein Hausarzt oder ein Betriebsarzt feststellt, dass der Auszubildende körperlich, geistig und psychisch in der Lage ist den Ausbildungsberuf auszuführen. Erst wenn diese Untersuchung erfolgt ist, kann der Auszubildende eine Ausbildung bei Ihnen antreten. Weiterhin haben Sie sich als Ausbildungsbetrieb ein Jahr nach Aufnahme der ersten Beschäftigung die Bescheinigung eines Arztes darüber vorlegen zu lassen, dass der Jugendliche nachuntersucht worden ist.

Mit diesen wichtigen Bestimmungen aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz, sollten Sie sowohl für Ihre AEVO-Prüfung, als auch für Ihre Tätigkeit als Ausbilder vertraut sein.

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