Tipps für die AEVO-Prüfung

Die berufs- und arbeitspädagogische Eignung umfasst die Kompetenz zum selbstständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren der Berufsausbildung. Genau das sollen Sie in Ihrer AEVO-Prüfung unter Beweis stellen. Es geht darum zu zeigen, dass Sie in der Lage sind, Auszubildenden auch komplexe Themen anschaulich zu vermitteln und dafür passende Ausbildungsmethoden einzusetzen.

Die AEVO-Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Prüfungsteil. In der schriftlichen AEVO-Prüfung soll Ihr Fachwissen mit rund 70 Aufgaben im Multiple-Choice-Verfahren überprüft werden.

Zu Lösung dieser Aufgaben, stehen Ihnen 180 Minuten zur Verfügung. Die Fragen der schriftlichen Prüfung werden aus allen vier Handlungsfeldern der AEVO gestellt:

  • Handlungsfeld 1: Ausbildungsvoraussetzungen prüfen und Ausbildung planen
  • Handlungsfeld 2: Ausbildung vorbereiten und bei der Einstellung von Auszubildenden mitwirken
  • Handlungsfeld 3: Ausbildung durchführen
  • Handlungsfeld 4: Ausbildung abschließen

Die praktische AEVO-Prüfung besteht aus einer praktischen Durchführung oder der Präsentation einer Ausbildungseinheit, sowie einem 15-minütigen Fachgespräch. In der praktischen Durchführung wird einem Auszubildenden eine Ausbildungseinheit von Anfang bis Ende gezeigt.

Die Präsentation hingegen, ist die Gestaltung einer Ausbildungseinheit, in der Sie dem Prüfungsausschuss darstellen, wie Sie eine Ausbildungseinheit mit einem Auszubildenden praktisch durchführen würden.

Tipp 1 für die AEVO-Prüfung: Definieren Sie ein glasklares Lernziel!

Die Basis für Ihre Lernziele sind im Ausbildungsrahmenplan verankert. Dort ist als Soll-Zustand beschrieben, was der Auszubildende lernen soll. Zur Erinnerung: Lernziele legen fest, welche Qualifikation, unter welchen Bedingungen, bis zu welcher Tiefe erworben werden sollen.

Diese Zielvorgaben, lassen sich nach dem Grad ihrer Eindeutigkeit in Richtlernziele, Groblernziele und Feinlernziele einteilen.

  • Richtlernziele beschreiben die (Aus-) Richtung, in denen Lernen erfolgen soll. Sie bilden die übergeordnete Grundlage, an denen sich die Groblernziele orientieren und lassen dem Ausbilder daher einen großen Handlungs- und Entscheidungsspielraum. Richtlernziele sind meistens nur Schlagwörter, die nicht weiter mit sogenannten Tätigkeitswörtern verbunden sind.
  • Groblernziele werden aus den Richtlernzielen entwickelt und konkretisieren dieses. Es ist bereits eine Beschreibung des gewünschten Endverhaltens enthalten und darin definiert, dass der Auszubildende zu etwas Bestimmten in der Lage sein soll, wenn dieses Lernziel erreicht ist. Groblernziele sind im Ausbildungsrahmenplan zu finden.
  • Der Ausbilder hat die Aufgabe die Groblernziele zu operationalisieren – das bedeutet, sie an betriebsspezifische Erfordernisse anzupassen. Feinlernziele werden aus dem Groblernziel abgeleitet und beschreiben das gewünschte (überprüfbare) Endverhalten nach erfolgreichem Lernen ganz konkret.

Im Ausbildungsrahmenplan ist das Groblernziel festgelegt und darf nicht verändert werden.Ein Groblernziel, kann die Basis für mehrere Feinlernziele sein. Ein Feinlernziel beschreibt das genaue Verhalten, welches der Auszubildende am Ende der Ausbildungseinheit aufweisen soll, und lässt dabei keinen Interpretationsspielraum bei der Zielerreichung zu.

Das bedeutet, alle Bestandteile die Sie in einem Feinlernziel definieren, müssen in der AEVO-Prüfung auch von Ihnen umgesetzt werden.

Da Ihnen für die praktische AEVO-Prüfung lediglich 15 Minuten zur Verfügung stehen, sollten Sie bei der Definition des Lernziels darauf achten, diese Zeitgrenze einzuhalten. Damit das möglich ist und die Ausbildungseinheit nicht zu umfangreich ausfällt, können Sie das Feinlernziel inhaltlich begrenzen.

Tipp 2 für die AEVO-Prüfung: Planen Sie Lernerfolgskontrollen ein

Für eine erfolgreiche Ausbildung sind Lernerfolgskontrollen erforderlich. Schon das Prinzip der Erfolgssicherung in den didaktischen Prinzipien zeigt deren Wichtigkeit. Nur über Lernerfolgskontrollen, kann der Ausbilder eine Rückmeldung bekommen, ob der Auszubildende die Lerninhalte tatsächlich verstanden hat.

Führen Sie in Ihrer AEVO-Prüfung keine Ausbildungseinheit ohne Lernerfolgskontrolle durch!

Lernerfolgskontrollen ermöglichen dem Ausbilder eine Rückmeldung über die Leistungsentwicklung des Auszubildenden, eine Vergleichbarkeit bei mehreren Auszubildenden im Unternehmen, eine Überprüfung der gewonnenen Kompetenzen und die Förderung der beruflichen Handlungsfähigkeit des Auszubildenden.

Für den Auszubildenden ist es außerdem ein Erfolgserlebnis, wenn er eine Lernerfolgskontrolle erfolgreich gemeistert hat und es ermöglicht ihm seinen Wissensstand, sowie seine eigene Entwicklung zu betrachten.

Erfolgskontrollen können auch in der AEVO-Prüfung unterschiedlich eingesetzt werden. Wichtig ist jedoch: Eine Lernerfolgskontrolle ist keine Funktionskontrolle ist. Eine Funktionskontrolle, soll die Funktion von etwas überprüfen, eine Lernerfolgskontrolle soll den Lernzuwachs überprüfen.

Wenn Sie am Ende einer Ausbildungseinheit lediglich das Ergebnis Ihres Auszubildenden begutachten und dabei feststellen, dass sein Ergebnis aussieht wie das, das Sie vorgemacht haben, dann ist dies lediglich eine Funktionskontrolle und keine Lernerfolgskontrolle. Sie wissen nämlich damit nicht, ob er die Lerninhalte letztlich auch verstanden hat.

Lernerfolgskontrollen können in verschiedener Form erfolgen

  • schriftliche Lernerfolgskontrollen (schriftliche Aufgaben, Kurzaufsätze, Lückentexte),
  • mündliche Lernerfolgskontrolle (Wissensfragen, Fallbeispiele, Referate)
  • praktische Lernerfolgskontrolle (Arbeitsaufträge, Arbeitsproben, Übungsstücke)

Weiterhin sollte der Auszubildende im Verlauf seiner Ausbildung immer mehr in der Lage sein, seine Arbeitsergebnisse selbst zu kontrollieren.

Lassen Sie also auch in der AEVO-Prüfung den Auszubildenden zunächst sein Handeln selbst einschätzen und kontrollieren Sie das Endergebnis danach. Wenn Sie den Auszubildenden für seine Leistungen loben möchten, benennen Sie das positive Verhalten ganz konkret. Zeigen Sie dem Auszubildenden auf, was er gut gemacht hat. Falls es noch Verbesserungspotenzial gibt, erklären Sie ihm, was er das nächste Mal anders machen kann. Lassen Sie den Auszubildenden also ganz genau wissen, was Ihnen gut gefallen hat und was Ihnen nicht so gut gefallen hat.

Tipp 3 für die AEVO-Prüfung: Motivation nicht vergessen!

Die Motivation des Auszubildenden spielt auch bei der AEVO-Prüfung eine wichtige Rolle. Sie kennen es vielleicht aus eigener Erfahrung: Wenn wir unsere Ziele erreichen möchten, müssen wir uns immer wieder aufs Neue motivieren. Motivation ist der Antrieb, der den Auszubildenden befähigt, konsequent ein gestecktes Ziel zu verfolgen.

Machen Sie dabei jedoch nicht den Fehler, pauschal davon auszugehen Ihr Azubi sei bereits für ein Thema motiviert, nur weil er bei Ihnen eine Ausbildung macht. Es kann durchaus sein, dass der Auszubildende für die Tätigkeit und für das Ausbildungsberufsbild motiviert ist, Sie können jedoch nicht davon ausgehen, dass er genau für das konkrete Thema einer Ausbildungseinheit motiviert ist.

Für Ihre AEVO-Prüfung sollten Sie außerdem die beiden Arten von Motivation kennen: Motivation kann entweder „intrinsisch“ sein, dies bedeutet die Motivation kommt aus dem Auszubildenden selbst oder sie kann „extrinsisch“ sein, indem von außen auf den Auszubildenden eingewirkt wird.

Wenn Menschen sich in Ihrem Umfeld besser fühlen als ohne Sie, kommt alles andere von ganz alleine.Die intrinsische Motivation, wird auch primäre oder direkte Motivation genannt. Sie ist die innere Motivation des Menschen. Das Verhalten des Auszubildenden wird dabei durch Spaß, Freude, seine Interessen und durch das Talent des Auszubildenden gefördert. Intrinsisch motivieren können Sie einen Auszubildenden in der AEVO-Prüfung oder im Ausbildungsalltag, indem Sie ihm den Sinn und Zweck einer Tätigkeit aufzeigen. Ein gutes Beispiel dafür ist auch das Lernen einer neuen Sprache. Wenn jemand eine große Reise plant und eine neue Sprache lernt, um sich während des Aufenthalts mit den Einheimischen des Reiselandes unterhalten zu können, sind Spaß, Freude, und Interessen des Lernenden die ausschlaggebenden Gründe und das Verhalten somit intrinsisch motiviert.

Bei der extrinsischen Motivation, auch als sekundäre oder indirekte Motivation bezeichnet, kommt die Motivation von außen. Entweder möchte der Auszubildende hierbei eine Belohnung für etwas erhalten (materiell oder immateriell) oder er möchte negative Konsequenzen (eine Bestrafung) vermeiden. Die extrinsische Motivation erfolgt über Lob, Anerkennung, Feedback durch den Ausbilder, die Eigenständigkeit eine Aufgabe zu bearbeiten und die ihm übertragene Verantwortung. Auch monetäre Anreize gehören zur extremistischen Motivation. Diese spielen jedoch durch die Höhe der Ausbildungsvergütung in der Ausbildung eine eher untergeordnete Rolle.

Extrinsisch können Sie einen Auszubildenden motivieren, indem Sie ihm Aufgaben übertragen, die er eigenverantwortlich erfüllen soll und ihm die Möglichkeit geben, sich und sein Talent im Unternehmen einzubringen. Planen Sie für Ihre AEVO-Prüfung daher ein, wie die Motivation des Auszubildenden erfolgen soll und rechnen Sie damit, im Fachgespräch erklären zu müssen, wie Sie die Motivation in der Prüfungssituation umgesetzt haben.

Bild zwei Ausbilder vor Computer bei AEVO-Prüfung
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