Urlaub für Auszubildende – was gilt es zu beachten?

“Kann ich meinem Auszubildenden zu einem bestimmten Zeitpunkt Urlaub verweigern?”, “Muss ich Urlaub bereits in der Probezeit gewähren?”, “Unser Azubi möchte die Zeit vor der Abschlussprüfung nochmal zum Lernen nutzen – muss ich das genehmigen?”, “Was mache ich mit Resturlaub, der zum Ende der Ausbildungszeit noch übrig ist?”. Das sind nur einige der Fragen, die sich Ausbilder immer wieder stellen.

Nicht selten kommt es bei der Frage zum Urlaubsanspruch zu Unstimmigkeiten zwischen dem Ausbildungsbetrieb und den Auszubildenden. Der Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Christian Velten gibt in dieser Folge des Ausbilder-Podcast Antworten und Hinweise dazu, worauf Ausbilder in solchen Situationen achten müssen.

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Bundesurlaubsgesetz regelt den Urlaub in Ausbildungsverhältnissen

Die rechtlichen Grundlagen zur Regelung des Urlaubs in Ausbildungsverhältnissen, finden sich im Wesentlichen im Bundesurlaubsgesetz. Das Bundesurlaubsgesetz ist somit für Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisse die Basis und hat einen hohen Schutzstandard, mit nur wenig Möglichkeiten von den darin enthaltenen Bestimmungen abzuweichen.

Die Grundregel ist zunächst einmal der gesetzliche Mindesturlaub ausgehend von einer 6-Tage Woche, denn als das Bundesurlaubsgesetz 1963 verkündet wurde, war eben diese 6-Tage Woche üblich. Darauf basierend, besteht ein gesetzlicher Anspruch auf Mindesturlaub von 24 Arbeitstagen.

Die Zeiten haben sich inzwischen geändert und nun ist vielmehr eine 5-Tage-Woche üblich. Bei einer 5-Tage-Woche, wird der Urlaubsanspruch anteilig gekürzt und es ergibt sich folglich ein Urlaubsanspruch von 20 Tagen.

Neben der Gültigkeit für Arbeitnehmer, ist im Bundesurlaubsgesetz explizit erwähnt, dass die darin enthaltenen Regelungen auch für Auszubildende gelten. Somit haben auch Ausbildende einen Urlaubsanspruch von mindestens 20 Tagen jährlich, ausgehend von einer 5-Tage-Woche.

Ausbildende haben pro Jahr einen Urlaubsanspruch von mindestens 20 Tagen basierend auf einer 5-Tage-Woche.

Für Jugendliche, also minderjährige Auszubildende, gelten weiterhin besondere Schutzvorschriften die im § 19 des Jugendarbeitsschutzgesetzes geregelt sind.

Dieser sieht einen zusätzlichen Urlaubsanspruch für jugendliche Arbeitnehmer und Auszubildende vor.

Für Jugendliche, die zu Beginn des Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre alt sind gilt ein erhöhter Urlaubsanspruch von mindestens 30 Werktagen. Mindestens 27 Werktage, wenn der Auszubildende noch nicht 17 Jahre alt ist und mindestens 25 Werktage bei unter 18-Jährigen.

In der Praxis sind in vielen Tarifverträgen und Arbeitsverträgen zusätzliche Urlaubsansprüche vorgesehen, womit sich mittlerweile ein typischer Urlaubsanspruch zwischen 28 und 30 Tagen durchgesetzt hat.

Für schwerbehinderte Auszubildende ist weiterhin ein zusätzlicher Urlaubsanspruch von 5 Tagen im Jahr zu berücksichtigen.

Übrigens: Wenn Sie Arbeitnehmer im Unternehmen beschäftigen, die zum Beispiel an zwei Tagen in der Woche arbeiten, entsteht auch hier ein anteiliger Urlaubsanspruch. Auf Grundlage von 20 Tagen Urlaubsanspruch bei einer 5-Tage Woche, sind somit einem Arbeitnehmer mit einer 2-Tage Woche jährlich acht Tage Urlaub zu gewähren.

In der Praxis ist der Irrtum verbreitet, dass geringfügige Beschäftigte keinen Urlaubsanspruch haben. Wenn Sie also Studenten im Unternehmen geringfügig beschäftigen, beachten Sie auch in diesen Fällen den anteiligen Urlaubsanspruch.

6 Monate Wartezeit bis zum vollen Urlaubsanspruch

Zu Beginn des Ausbildungsverhältnisses, besteht zunächst eine Wartezeit von sechs Monaten bis der volle Urlaubsanspruch nach dem Bundesurlaubsgesetz entstanden ist. Dies bedeutet, dass der Ausbildungsbetrieb berechtigt ist, Urlaub der in den ersten 6 Monaten des Ausbildungsverhältnisses beantragt wird, aus diesem Grund zurückzuweisen kann und nicht gewähren muss.

Wenn ein Auszubildender zum Beispiel durch einen Wechsel der Ausbildung im März in Ihrem Betrieb die Ausbildung beginnen würde (somit in der ersten Jahreshälfte in das Unternehmen eintritt) und dann im Juni den Sommerurlaub beantragt, kann dies vom Ausbildungsbetrieb noch mit der unerfüllten Wartezeit von 6 Monaten abgelehnt werden.

Sollte der Auszubildende dann allerdings die sechsmonatige Wartezeit erfüllt haben, hat er grundsätzlich den kompletten Urlaubsanspruch. Das bedeutet, der Auszubildende könnte, wenn zwischen den Vertragsparteien nichts weiter vereinbart wurde, zumindest den Mindesturlaubsanspruch in voller Höhe beanspruchen.

Eine Ausnahme dazu wäre, wenn der Auszubildende in den Monaten Januar und Februar bereits bei dem vorherigen Ausbildungsbetrieb bereits Urlaub beansprucht hat. Dieser bereits genommene Urlaub, wäre dann auf den Urlaubsanspruch anzurechnen.

Dies lässt sich einer Urlaubsbescheinigung des bisherigen Arbeitgebers nachweisen, in der die Anzahl der bisherigen Urlaubstage im Kalenderjahr vermerkt sind, die bereits gewährt wurden.

Üblicherweise ist für die Praxis vielmehr der Fall relevant, dass Auszubildende mit dem Ausbildungsbeginn im Monat August im laufenden Kalenderjahr in das Unternehmen eintreten. In diesem Fall entsteht ein Teilurlaubsanspruch. Wenn also einem Auszubildenden dann tatsächlich in der Zeit zwischen August und Dezember kein Urlaub gewährt wird, sammelt sich der Urlaub anteilsweise für das aktuelle Jahr an.

Hier nochmal der Hinweis, dass die sechs Monate Wartezeit im Bundesurlaubsgesetz nichts mit der Probezeit zu tun hat. Die Probezeit hat den Zweck festzustellen, ob der Auszubildende sich für den richtigen Ausbildungsberuf entschieden hat und ob der Ausbildungsbetrieb und der Auszubildende zusammen passen.

Ein Zwölftel des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat

Das neue Ausbildungsjahr beginnt, je nach Bundesland, meist am 01.08. oder 01.09. eines Jahres, wodurch die Auszubildenden zumindest im ersten Ausbildungsjahr kein volles Beschäftigungsjahr erreichen. Ebenfalls vorkommen kann diese Situation bei einem Wechsel des Ausbildungsplatzes.

Wie es zu handhaben ist, wenn Auszubildende im laufenden Jahr in das Ausbildungsverhältnis eintreten, regelt der § 5 des Bundesurlaubsgesetzes. Demnach entsteht wegen Nichterfüllung der Wartezeit in diesem Kalenderjahr kein voller Urlaubsanspruch, sondern lediglich Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs, für jeden vollen Monat in dem das Arbeitsverhältnis bestanden hat.

Wenn also ein Auszubildender am 01.08. seine Ausbildung beginnt, entsteht in diesem Jahr ein Anspruch für die Monate August, September, Oktober, November und Dezember was einem Urlaubsanspruch von fünf Zwölftel entspricht.

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