Was ist eine AEVO-Prüfung und was gibt es dabei zu beachten?

Immer wieder erreichen uns zahlreiche Nachrichten mit Fragen rund um die Ausbildereignungsprüfung. Die häufigsten Fragen die uns zur AEVO-Prüfung gestellt werden, haben wir nun in einer Übersicht auf einen Blick zusammengefasst.

Was muss ein Ausbilder mitbringen, um überhaupt ausbilden zu dürfen?

Das Berufsbildungsgesetz sieht hier ganz klare Regelungen vor.

Es schreibt eine persönliche und eine fachliche Eignung von Ausbilderinnen und Ausbildern vor. Bei der persönlichen Eignung führt das BBiG an, wer nicht persönlich geeignet ist. Dabei handelt es sich um Personen die entweder Kinder und Jugendliche nicht beschäftigen dürfen oder wiederholt oder schwer gegen das BBiG verstoßen haben.

Grundsätzlich drückt die persönliche Eignung also aus, ob die Ausbilderin oder der Ausbilder über eine „weiße Weste“ verfügt.
Fachlich geeignet ist, wer die beruflichen sowie die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind. Genauer gesagt muss die Ausbilderin oder der Ausbilder über eine einschlägige Abschlussprüfung im ausbildenden Berufsfeld verfügen und eine angemessene Zeit im Beruf praktisch tätig gewesen sein.

Die geforderten berufs- und arbeitspädagogischen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse werden durch das erfolgreiche Ablegen der AEVO-Prüfung nachgewiesen. Somit wird die bestandene Ausbildereignungsprüfung der fachlichen Eignung eines Ausbilders zugerechnet.

Aus welchen Teilen besteht die AEVO-Prüfung?

Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen und einem praktischen Prüfungsteil. In der schriftlichen Prüfung sind circa 70 Aufgaben im Multiple-Choice-Verfahren nach dem „Alles-oder-nichts-Prinzip“ zu lösen. Eine Aufgabe wird dabei allerdings nur als richtig gewertet, wenn alle richtigen Antwortmöglichkeiten von Ihnen erkannt und angekreuzt wurden.
Die Prüfung wird nach dem 100-Punkte-Schema der IHK´s bewertet. Um die schriftliche Prüfung zu bestehen müssen mindestens 50 Punkte erreicht werden. Das entspricht der Hälfte der Aufgaben. Alle Aufgaben sind gleichgewichtet, Teilpunkte werden nicht vergeben. Als Zeitvorgabe sind 180 Minuten angesetzt.

Wie lange dauert die praktische Prüfung?

Im praktischen Prüfungsteil sind in der AEVO zwei Alternativen vorgesehen. Es kann zwischen der Durchführung einer Ausbildungssituation oder der Präsentation einer Ausbildungssituation gewählt werden. Im Anschluss an die Durchführung bzw. die Präsentation findet ein Fachgespräch statt.

Für die Durchführung oder Präsentation der Ausbildungssituation stehen 15 Minuten zur Verfügung. Das anschließende Fachgespräch ist dann ebenfalls für nochmal 15 Minuten angesetzt.

Warum gibt es bei verschiedenen Industrie- und Handelskammern verschiedene Voraussetzungen, wie die praktische Prüfung abläuft?

Die IHK-Bezirke genießen bei den Prüfungsmodalitäten ihre Entscheidungshoheit. Genau diese Freiheit führt dazu, dass sich die praktischen Prüfungen von Kammer zu Kammer unterscheiden und nicht komplett verallgemeinert werden können. Eine erste Orientierung gibt jedoch immer was laut AEVO Bestandteil der Prüfung ist.

Als Tipp sollten Sie sich mit der Anmeldung zur Prüfung Informationen zum Prüfungsverlauf einholen. Sie können dafür die Internetseite der jeweiligen IHK besuchen. Dort sind im Bereich „Weiterbildung“ Informationen zu den Prüfungen angegeben.
Wenn Sie nicht das passende für sich finden, oder noch weitere Fragen haben, können Sie sich auch beim zuständigen Prüfungssachbearbeiter der zuständigen Stelle die fehlenden Fakten einholen. Dort kann man Ihnen auch die Frage beantworten: ob ein eigener Azubi für die Prüfung mitgebracht werden darf?

Präsentation ja oder nein?

Um diese Frage zu beantworten, werfen wir einen Blick in § 4 (3) AEVO, um zu schauen, was die Verordnung dazu sagt:

Der praktische Teil der Prüfung besteht aus der Präsentation einer Ausbildungssituation und einem Fachgespräch mit einer Dauer von insgesamt höchstens 30 Minuten. Hierfür wählt der Prüfungsteilnehmer eine berufstypische Ausbildungssituation aus. Die Präsentation soll 15 Minuten nicht überschreiten. Die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation sind im Fachgespräch zu erläutern. Anstelle der Präsentation kann eine Ausbildungssituation auch praktisch durchgeführt werden.

Grundsätzlich liegt die Wahl ob Sie eine Präsentation machen, oder eine praktische Ausbildungseinheit durchführen alleine bei Ihnen. Allerdings zeigt unsere Erfahrungen, dass es sinnvoll ist eine Unterweisung zu wählen.

Was darf als praktische Durchführung gemacht werden?

Grundsätzlich dürfen Sie auch bei der praktischen Durchführung einer Ausbildungseinheit das Thema und die Methode frei wählen.

Die bessere und entscheidende Frage hier lautet: was zu wählen ist sinnvoll? Die gewählte Methode muss nämlich zum Lernziel passen und beim Thema ist darauf zu achten, dass es in 15 Minuten auch umsetzbar ist.

Schwerpunktmäßig sollte sich der Prüfungsteilnehmer mit den Inhalten des Handlungsfelds 3 „Am Arbeitsplatz ausbilden“ beschäftigen. Diese Inhalte werden vom Prüfer im Fachgespräch in den konkreten Handlungsrahmen (Durchführung oder Präsentation der Ausbildungssituation) gesetzt und hinterfragt.

Welche Fragen kommen im Fachgespräch dran?

Grundsätzlich gibt es keinen Fragenkatalog für das Fachgespräch der praktischen Durchführung der Ausbildereignung. Laut § 4 (3) der Ausbildereignungsverordnung ist im Fachgespräch die Auswahl und Gestaltung der Ausbildungssituation zu erläutern. D.h. die Fragen der Prüfer beziehen sich auf die individuelle Durchführung der Ausbildungssituation. Aus diesem Grund kann es keinen allgemeinverbindlichen Fragekatalog geben. Der Prüfungsteilnehmer soll in der Prüfung die arbeitspädagogische Fähigkeit zum selbständigen Planen, Durchführen und Kontrollieren der Ausbildung nachweisen.

Warum muss ich überhaupt einen Ausbilderschein machen? Ist das nicht völlig überholt? In der Praxis ist doch dann sowieso alles anders?

Eine bestandene Ausbildereignungsprüfung wird der erforderlichen fachlichen Eignung eines Ausbilders zugerechnet und dient als Nachweis für die geforderten berufs- und arbeitspädagogischen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse. Sie selbst würden doch sicherlich nicht von jemanden ausgebildet werden, der pädagogisch so gar keine Ahnung hat, was er da eigentlich tut, oder?

Doch da gibt es auch noch die andere Seite: Erinnern Sie sich noch an Ihre eigene Ausbildungszeit? Was Sie gut fanden und worüber Sie sich geärgert haben?

Da gab es sicherlich Menschen, von denen Sie gerne etwas gelernt haben und andere, da waren Sie vielleicht froh, den jeweiligen Arbeitstag überstanden zu haben. Die Aussage: in der Praxis läuft doch sowieso alles anders, kommt meist daher, dass Sie oder Ihr Unternehmen nicht bereit für Veränderungen sind. Richtig ist, dass Sie in der Vorbereitung viel über Methodik, Pädagogik und die verschiedenen Ausbildungsmethoden lernen, doch ob Sie wirklich bereit sind, das gelernte in der Praxis umzusetzen, müssen Sie sich selbst fragen.

Wieviel Pädagogik braucht ein Ausbilder?

Ziel der beruflichen Ausbildung ist das Erlangen von Handlungskompetenz. Konkret bedeutet dies, dass der Auszubildende nach erfolgreichem Durchlauf der Berufsausbildung in der Lage sein muss, Arbeitsaufgaben selbstständig zu Planen, Durchzuführen und zu Kontrollieren. Diese Forderung ergibt sich sowohl aus der jeweiligen Ausbildungsordnung des Ausbildungsberufes als auch aus § 1 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG).

Heutzutage steht die prozessorientierte Ausbildung im Vordergrund. Bei der Ausbildungsplanung ist dabei zu überprüfen wie die Vorgaben der jeweiligen Ausbildungsordnung in die betrieblichen Ablaufprozesse transferiert werden kann.

Um sowohl den Forderungen der Ausbildungsordnung und dies Berufsbildungsgesetzes, als auch der Forderung nach mehr Prozessorientierung gerecht zu werden müssen die Ausbilder/innen künftig immer mehr über ein pädagogisches Wissen verfügen. Es findet immer mehr ein Wandel vom reinen „Wissensvermittler“ zum Lernprozessbegleiter statt. Das Ablegen der Ausbildereignungsprüfung ist ein erster Schritt in die Ausbildung der Zukunft.

Wie überzeuge ich meine Vorgesetzten, dass ich das Gelernte, z.B. die verschiedenen Methoden auch in der Ausbildung anwenden möchte, obwohl es vielleicht zeitaufwändiger ist als was wir jetzt machen?

Veränderungen brauchen Zeit. Sind eingefahrene Strukturen in den Unternehmen vorhanden können diese nur durch überzeugende Argumente „aufgebrochen“ werden. Kommunikation ist dabei immens wichtig. Zeigen Sie Ihren Vorgesetzen die Vorteile auf, die sich durch die Anwendung neuer Ausbildungsmethoden für das Unternehmen ergeben. Künftig verändern sich die betrieblichen Strukturen in einem starken Maße. Hierarchien werden verschlankt, die Mitarbeiter müssen immer mehr Verantwortung übernehmen und Wissen wird vermehrt zur Hohlschuld. Methodenkompetenz wird immer wichtiger. Diesen Anforderungen werden Mitarbeiter nur dann gerecht, wenn Sie zielgerichtet auf die Arbeitswelt der Zukunft vorbereitet werden.

Durch den Einsatz handlungsorientierter Ausbildungsmethoden (u.a. Projekt- und Leittextmethode) können die Weichen bereits in der Ausbildung für die Anforderungen der Zukunft gestellt werden. Auszubildende werden dadurch verstärkt in die Lage versetzt, Arbeitsaufgaben selbstständig zu Planen, Durchzuführen und zu Kontrollieren. Eine Kompetenz die in einer sich wandelnden Arbeitswelt immer mehr an Bedeutung gewinnen wird.

Bild zwei Ausbilder vor Computer bei AEVO-Prüfung
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