Wie Sie die Ausbildungsmethode für Ihre AEVO-Prüfung richtig auswählen

Die Methodik in der Ausbildung ist ein zentraler Themenkomplex, der auch in der Vorbereitung auf die AEVO-Prüfung einen wesentlichen Anteil hat. Um dem Auszubildenden die Inhalte einer Ausbildungseinheit nahe zu bringen, gibt es verschiedene Ausbildungsmethoden. Die unterschiedlichen Ausbildungsmethoden dienen dazu, mit dem Auszubildenden unter theoretischen und praxisnahen Rahmenbedingungen, in einer vorgegebenen Zeit, ein definiertes Ziel zu erreichen.

Bei der Auswahl der richtigen Ausbildungsmethode, sind sowohl in der AEVO-Prüfung, als auch im Alltag als Ausbilder, verschiedene Kriterien zu beachten.

Die zur Verfügung stehende Zeit
Ein Kurzvortrag ist zum Beispiel eine Ausbildungsmethode, die dem Auszubildenden in möglichst kurzer Zeit viele Informationen liefert. Steht zur Vermittlung eines Themas also nur eine sehr begrenzte Zeit zur Verfügung, würde sich ein Kurzvortrag (wenn Sie nur den zeitlichen Aspekt betrachten) gut eignen. Allerdings besteht mit dieser Ausbildungsmethode die Gefahr, dass der Auszubildende während Ihren Ausführungen schnell mit seinen Gedanken abschweift und sich viele Inhalte nicht merken kann. Beim Einsatz einer Leittextmethode oder einer Projektmethode hingegen, benötigt Sie für die Durchführung der Ausbildungseinheit vergleichsweise deutlich mehr Zeit. Für die AEVO-Prüfung ist ein alleiniger Kurzvortag keine geeignete Ausbildungsmethode, da Sie damit Ihre Eignung als Ausbilder nicht unter Beweis stellen können.

Die Ausstattung des Lernortes
Falls Sie für die Durchführung einer Ausbildungseinheit nicht die erforderlichen Arbeitsmittel zur Verfügung haben, sollten Sie eine Ausbildungsmethode wählen, die dem Auszubildenden zunächst die theoretischen Grundlagen der Aufgabe vermittelt. Für die AEVO-Prüfung sollten Sie unbedingt auch die zur Verfügung stehende Ausstattung des Prüfungsraums berücksichtigen und die von Ihnen benötigten Hilfsmittel selbst mitbringen.

Die Anzahl der Auszubildenden
Die Anzahl der Auszubildenden, spielt für die Auswahl der Ausbildungsmethode ebenfalls eine Rolle. Mit 15 oder 20 Auszubildenden, wird es Ihnen nicht möglich sein, eine sinnvolle Vier-Stufen-Methode durchzuführen. Ebenfalls wird sich ein Projekt womöglich nicht eignen, da ein komplexes Projekt mit einer hohen Anzahl Auszubildender, einen zu großen Zeitraum für die Durchführung in Anspruch nimmt. Für kleinere Gruppen oder einzelnen Auszubildende, sind diese Ausbildungsmethoden jedoch gut umsetzbar. In der AEVO-Prüfung wird die praktische Durchführung einer Ausbildungseinheit mit einem Auszubildenden umgesetzt. Planen Sie hingegen in Ihrer AEVO-Prüfung die Präsentation einer Ausbildungseinheit, kann das auch eine Situation sein, die mehrere Auszubildende berücksichtigt.

Die Vorkenntnisse des Auszubildenden
Einige Ausbildungsmethoden, wie zum Beispiel ein Lehrgespräch, setzen bestimmte Vorkenntnisse der Auszubildenden voraus, um sinnvoll durchgeführt werden zu können. Ebenso wie das Lehrgespräch, bauen auch die Leittextmethode und die Projektmethode auf den Vorkenntnissen des Auszubildenden auf. Zusätzlich setzen die Leittextmethode und die Projektmethode voraus, dass der Auszubildende in der Lage ist, sich selbstständig bestimmte Informationen beschaffen zu können. Die Vier-Stufen-Methode hingegen ist eine Ausbildungsmethode, die Sie auch ohne Vorkenntnisse des Auszubildenden umsetzen können. Bei der AEVO-Prüfung ist die Berücksichtigung der Vorkenntnisse vor allem dann wichtig, wenn Sie Ihren „Azubi“ für die Prüfung nicht selbst mitbringen, sondern mit einem Partner arbeiten, den Sie nicht kennen. Wenn Sie dann ein Thema wählen, welches Vorkenntnisse voraussetzt, die der Azubi nicht leisten kann, so kann das schnell zum Nichtbestehen der AEVO-Prüfung führen.

Das Thema bzw. der Lernzielbereich des Themas
Entscheidend für die Auswahl der anzuwendenden Methode, ist in der Pädagogik unter anderem welcher Lernbereich (kognitiver, affektiver oder psychomotorischer Lernbereich) beim Auszubildenden angesprochen werden soll.

Die Lernbereiche gehen zurück auf Johann Heinrich Pestalozzi, der gesagt hat: „Ganzheitliches Lernen findet mit Kopf, Herz und Hand statt.“ Der „Kopf“ ist dabei der kognitive Bereich und betrifft eine Veränderung des Wissens. Das „Herz“ steht für die Verinnerlichung von Kenntnissen, die dadurch so selbstverständlich angewendet werden, dass darüber nicht einmal mehr nachgedacht werden muss. Der psychomotorische Lernbereich – die „Hand“ – ist dadurch gekennzeichnet, dass der Auszubildende neue Handgriffe erlernen soll. Nicht nur in der AEVO-Prüfung wird oft der psychomotorische Lernbereich nicht richtig zugeordnet.

  • Kognitiver Lernbereich = beschreibt Wissen, erkennen und begreifen (Kenntnisse)
  • Affektiver Lernbereich = Bereich der Einstellungen, Gefühle, Interessen und Werte (Verhaltensweisen)
  • Psychomotorischer Lernbereich = bezeichnet die manuellen Tätigkeiten (Fertigkeiten)

Didaktische Prinzipien

Damit es Ausbildern leichter fällt, den zu vermittelnden Lerninhalten eine sinnvolle Struktur zu geben, wurden zur erfolgreichen Wissensvermittlung mehrere „didaktische Prinzipien“ entwickelt.

Daher gilt es neben der passenden Ausbildungsmethode zu berücksichtigen, welche didaktischen Prinzipien bei der Vermittlung der Ausbildungsinhalte angesprochen werden sollen:

Prinzip der Praxisnähe
Praxisnah zu arbeiten, bedeutet mit authentischem Material und realitätsnahen Fällen zu arbeiten. Das betrifft auch die Formulierungen, die Sie in der AEVO-Prüfung verwenden. Ein Auszubildender mit dem Namen Max Mustermann in Musterstraße 12 in 12345 Musterstadt wäre ein Fallbeispiel, das nicht dem Prinzip der Praxisnähe entspricht.

Wenn es also um das Zusammenbauen von Werkstücken, das Anfertigen von Schriftstücken oder das Dekorieren geht, dann sollten Sie auch die originalen Werkzeuge und Materialen verwenden, sowohl in der Ausbildungspraxis als auch in der AEVO-Prüfung. Schließlich soll es bei dem Auszubildenden nach der Ausbildungseinheit nicht bei der Theorie bleiben, sondern er soll mit typischen Arbeitsmitteln in Berührung kommen und sich im Umgang damit üben.

Prinzip der Zielklarheit
Das Prinzip der Zielklarheit entspricht den Anforderungen an ein Feinlernziel.

Dieses soll nicht mehr abstrakt sein. Das heißt, das Feinlernziel muss so weit spezifiziert werden, dass es keinen Interpretationsspielraum mehr zulässt. Da es auf den jeweiligen Ausbildungsbetrieb abgestimmt sein soll, wird es von Ihnen als Ausbilder formuliert.

Weiterhin muss das Feinlernziel individuell auf den einzelnen Auszubildenden zugeschnitten sein. Nicht jeder Auszubildende verfügt über die gleichen Vorkenntnisse oder erbringt die gleiche Leistung. Darüber hinaus muss ein Feinlernziel mitunter auch an den technischen Fortschritt angepasst werden, denn die technischen Rahmenbedingungen in den Unternehmen entwickeln sich oftmals sehr viel schneller als die jeweilige Ausbildungsordnung.

Weiterhin soll das Feinlernziel präzise formuliert sein und die Bedingungen enthalten, unter denen das konkrete Ergebnis erreicht werden soll. Achten Sie in der AEVO-Prüfung auch darauf, dass das Feinlernziel in den zur Verfügung stehenden 15 Minuten umgesetzt werden kann.

Prinzip der Verknüpfung

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Beim Prinzip der Verknüpfung geht es darum, den Auszubildenden dort abzuholen, wo er gerade steht – also bei seinem aktuellen Wissens- und Kenntnisstand. Stellen Sie Anknüpfungspunkte zu bereits vorhandenem Wissen her, auf das Sie dann aufbauen können. Gehen Sie nunmehr vom Bekannten zum Unbekannten; vom Einfachen zum Schweren. Hier findet sich auch das Prinzip der didaktischen Reduktion wieder. Die von Ihnen gewählten Anknüpfungspunkte, müssen dabei nicht zwangsläufig aus dem betrieblichen Umfeld kommen, sondern können sich auch aus dem Alltag des Auszubildenden ableiten.

Selbst wenn der Auszubildende im Betrieb zum Beispiel noch kein Telefongespräch entgegengenommen hat, ist davon auszugehen, dies zu Hause schon einmal getan zu haben und er weiß, dass man sich mit dem Namen meldet. Bestimmt hat er auch bereits einen Anruf für die Eltern oder andere Familienmitglieder entgegengenommen, die nicht erreichbar waren, wobei er eine Notiz erstellen musste. Wenn Sie diese Anknüpfungspunkte beim Auszubildenden finden, werden Sie dem Prinzip der Verknüpfung gerecht und der Auszubildende wird entdecken, dass das neue Thema vielleicht gar nicht so kompliziert ist, wie es ihm zunächst erschien. Nutzen die das didaktische Prinzip der Verknüpfung auch für Ihre AEVO-Prüfung.

Prinzip der Anschaulichkeit
Das Prinzip der Anschaulichkeit ist eines der zentralen Prinzipien in Ihrer AEVO-Prüfung. Es gilt dabei, im Ausbildungsprozess Medien sinnvoll einzusetzen, um die Lerninhalte so anschaulich wie möglich zu gestalten. Schon ein Sprichwort weiß: „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“. Wenn der Auszubildende auf einem Bild oder einer Prozessgrafik sieht, wie die einzelnen Elemente der Arbeitsschritte zusammenhängen, ist es für ihn wesentlich einfacher nachzuvollziehen, was genau Sie von ihm verlangen. Nutzen Sie in Ihrer AEVO-Prüfung also die Pinnwand und das Flip-Chart im Prüfungsraum.

Prinzip der Aktivität
Sowohl die Vier-Stufen-Methode als auch das Lehrgespräch sind ausbilderzentrierte Ausbildungsmethoden. Diese Methoden werden vom Ausbilder gesteuert und der Auszubildende ist dabei lediglich in der Position, auf die Impulse zu reagieren. Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass der Auszubildende in der zweiten Stufe der 4-Stufen-Methode stumm und unbeweglich neben Ihnen stehen muss. Beziehen Sie ihn auch in der AEVO-Prüfung von Anfang an mit ein.

Das kann zum Beispiel durch von Ihnen gestellte Fragen der Fall sein. Sie können dem Auszubildenden auch Gegenstände mit denen Sie arbeiten, in die Hand geben und er kann so die Werkzeuge und Materialien bereits kennenlernen. Er kann Oberflächen anfassen und dann beschreiben, wie sich diese verhalten. Mit diesen scheinbar kleinen Aktivitäten stellen Sie sicher, die Aufmerksamkeit des Auszubildende bei Ihnen zu behalten und er Ihren Ausführungen schrittweise folgen kann.

Für Sie als Ausbilder kann das jedoch auch bedeuten, Fehler des Auszubildenden bewusst zuzulassen und ihm somit die Möglichkeit zu geben, aus seinem eigenen Handeln zu lernen.

Prinzip der Erfolgssicherung
Nicht nur in der AEVO-Prüfung muss in jeder Ausbildungseinheit eine Übungsphase enthalten sein. Es ist unerlässlich, dass der Auszubildende die Tätigkeit, die er zuvor bei Ihnen in der praktischen Durchführung gelernt hat, danach in der Praxis weiter übt, um sie zu festigen.

Die Arbeitsschritte sollen sich dem Auszubildenden einprägen und zur Gewohnheit werden. Er soll dabei routiniert in dieser Tätigkeit werden, sodass er die Aufgabe mit der Zeit immer zügiger durchführen kann. Vor der Erfolgssicherung beziehungsweise der Festigung des Gelernten ist es wichtig, sicherzustellen ob der Auszubildende die Lerninhalte wirklich verstanden hat. Bevor die Übungsphase beginnt, ist eine Lernerfolgskontrolle daher zwingend erforderlich.

Prinzip der Entwicklungsmäßigkeit
Das Prinzip der Entwicklungsmäßigkeit wird manchmal auch als Prinzip der Jugendmäßigkeit bezeichnet. Je nach Ausbildungsberuf, sind die Auszubildenden meist noch Jugendliche und stehen zum ersten Mal im Berufsleben. Daher sind ihnen mitunter den einzelnen Situationen angemessene Verhaltensweisen noch fremd und es könnte ihnen auch schwerfallen, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren.

Mit einem 15-jährigen Auszubildenden werden Sie sicherlich anders umgehen als mit einem 23-jährigen Auszubildenden, bei dem bereits ein umfangreicheres Vorwissen vorhanden ist und der in seiner persönlichen Entwicklung weiter fortgeschritten ist. Dieser Auszubildende ist in der Lage, komplexer und vernetzter zu denken als sein jüngerer Kollege. Beim Prinzip der Entwicklungsmäßigkeit werden daher die Lerninhalte an den Entwicklungs- und Kenntnisstand sowie die Reife des Auszubildenden angepasst.

Hier die pädagogischen Prinzipien noch einmal im Überblick zusammengefasst:

  • Prinzip der Praxisnähe: Gestalten Sie die Fälle praxisnah und verwenden Sie authentisches Material.
  • Prinzip der Zielklarheit: Definieren Sie ein klares, konkret formuliertes Lernziel.
  • Prinzip der Verknüpfung: Knüpfen Sie an bereits vorhandenes Wissen an und holen Sie den Auszubildenden da ab, wo er in seiner Entwicklung gerade steht.
  • Prinzip der Anschaulichkeit: Setzen Sie Medien zur Visualisierung zielführend ein.
  • Prinzip der Aktivität: Aktivieren Sie den Auszubildenden und beziehen Sie ihn mit ein.
  • Prinzip der Erfolgssicherung: Generieren Sie Übungsmöglichkeiten, nachdem eine Lernerfolgskontrolle stattgefunden hat.
  • Prinzip der Entwicklungsmäßigkeit: Berücksichtigen Sie den Entwicklungsstand des Auszubildenden.

Klassifizierung der Ausbildungsmethoden

Ausbildungsmethoden können in ausbilderzentrierte Ausbildungsmethoden und auszubildendezentrierte Ausbildungsmethoden unterschieden werden. Bei den ausbilderzentrierten Ausbildungsmethoden, steht der Ausbilder im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Zu den ausbilderzentrierten Ausbildungsmethoden gehören zum Beispiel der Kurzvortrag, die Vier-Stufen-Methode und das Lehrgespräch. Bei den auszubildendezentrierten Ausbildungsmethoden, steht hingegen der Auszubildende im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Er ist dazu aufgefordert, aktiv an der Aufgabenstellung zu arbeiten. Das Rollenspiel und Diskussion bilden den Übergang zwischen ausbilderzentrierten Ausbildungsmethoden und auszubildendezentrierten Ausbildungsmethoden.

Das Planspiel, die Leittextmethode oder die Projektmethode sind auszubildendezentrierte Ausbildungsmethoden. Diese Methoden, fördern die berufliche Handlungsfähigkeit des Auszubildenden. Zusätzlich wird die berufliche Handlungsfähigkeit des Auszubildenden gefördert und ihm Methodenkompetenz vermittelt. Der Auszubildende hat damit die Möglichkeit, sich selbst in das Geschehen einzubringen und seine Problemlösekompetenz zu trainieren.

Demnach sollten Sie sowohl in der AEVO-Prüfung als auch in der Praxis, Ausbildungsmethoden wie zum Beispiel den Kurzvortrag verwenden, wenn Sie Fachkompetenz vermitteln wollen. Ebenso wird die Vier-Stufen-Methode, überwiegend für die Vermittlung von Fachkompetenzen genutzt. Sehr gut in der AEVO-Prüfung geeignet ist die Vier-Stufen-Methode zur Vermittlung, sowie dem Üben und dem Ausbau, von psychomotorischen oder gewerblichen Fertigkeiten.

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