Was tun? Mein Azubi nimmt mich nicht erst!

Viele junge Ausbilderinnen und Ausbilder übernehmen nach Ihrer abgeschlossenen Berufsausbildung die Verantwortung, nun die nächste Generation beim Start in das Berufsleben zu begleiten.

Daher trennen den Ausbilder und die Auszubildenden manchmal nur wenige Jahre. Die Azubis erzählen dann auch schonmal wie das Wochenende so war, aus dem Privatleben erzählt oder der Ausbilder kurzerhand auf die nächste Party eingeladen. Zur Herausforderung wird das spätestens, wenn es zu Problemen im Ausbildungsalltag kommt oder Kritikgespräche geführt werden müssen. Nicht wenige junge Ausbilder haben das Gefühl, dann vom Auszubildenden nicht ernst genommen zu werden.

Doch ob Ihre Auszubildenden Sie ernst nehmen oder nicht, ist nicht in erster Linie eine Frage des Alters, sondern vielmehr Ihrer Persönlichkeit und Arbeitsweise. Ein geringer Altersabstand kann durchaus Vorteile haben: Sie verstehen die Probleme der Auszubildenden und waren vielleicht vor noch nicht allzu langer Zeit in ähnlichen Situationen, als Sie selbst Ihre Ausbildung gemacht haben.

Hilfreich ist es, wenn Sie sich von vorne hinein Ihre verschiedenen Rollen im Unternehmen bewusst machen, denn wenn dann Konflikte mit einem Auszubildenden auftreten, sind Sie vorbereitet und nicht überrascht.

Die primäre Aufgabe des Ausbilders ist dazu beizutragen, dass Auszubildende die berufliche Handlungsfähigkeit erreichen, indem sie die Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnisse des Ausbildungsberufes vermitteln. Hierzu gehört die praktische Anleitung im Ausbildungsalltag, genauso wie die Lernbegleitung und Prüfungsvorbereitung. Ebenso gehören organisatorische Aufgaben, wie das Erstellen der sachlichen und zeitlichen Gliederung der Ausbildung, die Organisation und Durchführung des innerbetrieblichen Unterrichts oder auch die regelmäßige Kontrolle der schriftlichen Ausbildungsnachweise dazu. Gerade bei jungen Menschen, die noch am Anfang Ihres Berufslebens stehen, nehmen die erzieherischen Aufgaben, wie etwa die Förderung und Entwicklung der Soft-Skills zusätzliche Zeit in Anspruch.

Diese vielfältigen Aufgaben bringen unterschiedliche Rollen mit sich. Gegenüber dem Azubi übernehmen Sie die Funktion des Erziehers, Beraters, Lehrers, Mentors, Vorgesetzten, Vertrauensperson, Motivators oder Coaches.

Stellen Sie sich vor, einer Ihrer Auszubildenden kommt in letzter Zeit immer häufiger zu spät. Er wirkt immer müde und unkonzentriert. Bei der Erledigung seiner Aufgaben, schleichen sich immer mehr Fehler ein.

Hier ist es wichtig, dass Sie sich vor dem anstehenden Gesprächstermin Ihre Rolle als Vorgesetzter bewusstmachen und diese ausfüllen. Auch wenn das Vertrauen der Auszubildenden und ein kollegiales Miteinander wichtig ist, ist es dennoch in diesen Situationen wichtig, eine klare Haltung einzunehmen. Machen Sie dem Auszubildenden klar, das Pünktlichkeit ebenso für ihn wie für alle anderen Mitarbeiter des Unternehmens gilt und zeigen Sie mögliche Konsequenzen auf.

Natürlich kann es gerade am Anfang unkomfortabel sein, wenn Ihnen ein Azubi, mit dem Sie sonst gut auskommen, wegen Ihrer klaren Worte grollt. Doch damit gilt es jetzt umzugehen, denn Unklarheit ist oft auch unfair.

Sobald die Grundlagen geklärt und die Regeln aufgestellt sind, können Sie durchaus Ihre Rolle wechseln und die Position des Mentors übernehmen, indem Sie den Auszubildenden unterstützen tragfähige Lösungen für den Alltag zu finden, damit er eben nicht mehr zu spät kommt.

Ein Verständnis für die verschiedenen Rollen und Anforderungen ist übrigens auch für Ausbildungsbeauftragte wichtig, denn nur wer die verschiedenen Rollen kennt, kann Sie auch ausfüllen!

Bild von Ausbildungsbeauftragtem mit Azubi
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