Rolle und Aufgaben von Ausbildungsbeauftragten

Die betriebliche Ausbildung findet in den Unternehmen überwiegend in den Fachabteilungen statt.
Auszubildende dürfen jedoch nur eingestellt und ausgebildet werden, wenn die Zahl der Auszubildenden in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der beschäftigten Fachkräfte steht. Das regelt der § 27 (1) des Berufsbildungsgesetzes.

Der Bundesausschuss für Berufsbildung hat konkretisiert, dass als Fachkraft der Ausbildende und der bestellte Ausbilder gelten. Zusätzlich wird auch als Fachkraft angesehen, wer eine Ausbildung in einer dem Ausbildungsberuf entsprechenden Fachrichtung abgeschlossen hat in dem ausgebildet werden soll oder mindestens das Zweifache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem Beruf tätig gewesen ist.

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§ 28 (3) BBiG
Unter der Verantwortung des Ausbilders oder der Ausbilderin kann bei der Berufsausbildung mitwirken, wer selbst nicht Ausbilder oder Ausbilderin ist, aber abweichend von den besonderen Voraussetzungen des § 30 die für die Vermittlung von Ausbildungsinhalten erforderlichen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und persönlich geeignet ist.

Quelle: www.gesetze-im-internet.de

Als verantwortliche Person bei der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer wird der Ausbilder eingetragen. Er wird auch im Ausbildungsvertrag sowie im betrieblichen Ausbildungsplan benannt und ist damit verantwortlich für die ordnungsgemäße Durchführung der Ausbildung. Natürlich muss der Ausbilder nicht alle Ausbildungsinhalte selbst vermitteln und kann sich dafür durch Ausbildungsbeauftragte unterstützen lassen.

Ausbildungsbeauftragte müssen ihre Befähigung nicht in einer Prüfung nachweisen, doch sie müssen sich in verschiedenen Bereichen auskennen. Schließlich übernehmen Ausbildungsbeauftragte bei der Interaktion mit den Auszubildenden viele verschiedene Rollen: So sind sie Ausbilder, Erzieher, Kollege, Vorbild, Fachkraft sowie Berater und übernehmen zusätzlich mit den Anweisungen die sie Auszubildenden geben, auch eine Vorgesetztenfunktion.

Es geht schon längst nicht mehr nur um die Vermittlung von Fachwissen, sondern in mindestens dem gleichen Maße um die Stärkung der persönlichen Entwicklung der Auszubildenden.

Die Kompetenzen der Ausbildungsbeauftragten eines Unternehmens, sind somit ein ganz entscheidender Faktor für die Qualität und den Erfolg der betrieblichen Ausbildung.

Doch viele Ausbildungsbeauftragte empfinden, dass sie nicht auf die Betreuung von Auszubildenden vorbereitet wurden oder kennen ihre Aufgaben für die Betreuung von Auszubildenden nicht.

Ausbildungsbeauftragte haben verschiedene Aufgaben

Je nachdem wie Ausbildungsbetriebe organisiert sind, können sich auch die Aufgaben von Ausbildungsbeauftragten unterscheiden. Immer jedoch sollten den Ausbildungsbeauftragten zu Beginn der Tätigkeit die Zuständigkeiten erklärt und die notwendigen Kompetenzen vermittelt werden.

Die Hauptpflicht von Ausbildungsbeauftragten ist es, die Auszubildenden in der Fachabteilung praktisch auszubilden. Sie setzen die Ausbildungsinhalte und Lernziele um. Dazu wählen sie geeignete Ausbildungsmethoden aus, führen Lernerfolgskontrollen durch und geben den Auszubildenden Feedback zu den erbrachten Leistungen. Sie beurteilen die Auszubildenden für ihre in der Fachabteilung erbrachten Leistungen. Außerdem achten sie auf die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen.

Ausbildungsbeauftragte erfüllen also ganz verschiedene Aufgaben, wobei sie in ihrer Rolle als Fachkraft zusätzlich die eigenen Leistungsziele erreichen müssen und ihren eigentlichen Job nicht plötzlich vernachlässigen dürfen.

Hier wird deutlich, dass Ausbildungsbeauftragte neben der fachlichen Qualifikation auch ihre berufspädagogische Kompetenz entwickeln müssen, um dem gerecht werden zu können. Dies zu ermöglichen, sollten Betriebe ihre Ausbildungsbeauftragten bereits im Vorfeld auf die Aufgabe vorbereiten und regelmäßige Workshops anbieten.

Mögliche Themen können dabei sein:

  • Die Rolle und Aufgaben von Ausbildungsbeauftragten – Was sie erwartet und was das für sie bedeutet
  • Wie die junge Generation tickt – Wie Ausbildungsbeauftragte die Generation Z besser verstehen und das im Ausbildungsalltag einsetzen können
  • Das Lernumfeld gestalten – Wie Ausbildungsbeauftragte lernfördernde Rahmenbedingungen schaffen und Auszubildende motivieren können
  • Organisation und Vorbereitung – Wie Ausbildungsbeauftragte den ersten Tag, den Praxiseinsatz und das Ende in der Abteilung gestalten können
  • Ausbildungsinhalte und Methoden – Mit welchen Methoden Ausbildungsbeauftragte die Lerninhalte sinnvoll vermitteln können
  • Erfolgreich kommunizieren – Wie Ausbildungsbeauftragte in der Lage sind sicher, klar und direkt mit Auszubildenden zu kommunizieren
  • Rückmeldungen geben und beurteilen – Wie Ausbildungsbeauftragte Feedback geben, das tatsächlich wirkt und systematische Beurteilungen erstellen können
Bild von Ausbildungsbeauftragtem mit Azubi

Wie Sie neue Ausbildungsbeauftragte für die Aufgabe gewinnen können…

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die sich selbst melden, sind für Ausbildungsbetriebe ein wahrer Volltreffer: Sie sind motiviert eine zusätzliche Aufgabe zu übernehmen und bereit dafür auch etwas zu tun. Auf eine direkte Ansprache geeigneter Personen, können Sie in der Regel trotzdem nicht verzichten. Viele Mitarbeiter denken von sich aus gar nicht an die Möglichkeit, sich als Ausbildungsbeauftragte einzubringen.

Über den internen Stellenmarkt im Intranet oder am „schwarzen Brett“ können Sie ebenfalls bekannt machen, dass neue Ausbildungsbeauftragte gesucht werden. Die Mitarbeiter die sich darauf melden, werden ebenfalls eine hohe Eigenmotivation für die Aufgabe mitbringen.

Hilfreich kann es ebenfalls ein, wenn Mitarbeiter der Personalabteilung geeignete Kandidaten in den Fachabteilungen direkt ansprechen. Sollten diese Lust haben die Aufgabe zu übernehmen, ist es unbedingt erforderlich auch die Zustimmung des direkten Vorgesetzten einzuholen. Anderenfalls kann es zu unnötigen Rollenkonflikten kommen, wenn die Unterstützung der Führungskraft fehlt.

Wenn Sie sich dieser Unterstützung der direkten Vorgesetzten gleich sicher sein wollen, lassen Sie die Abteilungsleiter geeignete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorschlagen. Hier sollte jedoch darauf geachtet werden, dass die benannten Personen nicht nur über eine fachliche Eignung verfügen, sondern auch an der Arbeit mit jungen Menschen interessiert sind.

Ehemalige Auszubildende sind nach ihrer Ausbildung ebenfalls oft bereit sich als Ausbildungsbeauftragte einzubringen. Sie sind häufig motiviert „es besser machen zu wollen“ oder etwas von dem zurückzugeben, was sie selbst als Auszubildende bekommen haben. Wenn Sie also Auszubildende nach der Ausbildung übernehmen, fragen Sie auch danach, ob Sie gerne als Ausbildungsbeauftragte tätig sein wollen. Damit sichern Sie sich nicht nur den Fachkräftenachwuchs, sondern auch die nächste Generation ausbildender Fachkräfte.

Was Sie als Ausbildungsbetrieb tun können, um Ihre Ausbildungsqualität zu erhöhen und Ihre Ausbildungsbeauftragten zu stärken…

Falls es das in Ihrem Unternehmen nicht ohnehin schon gibt, entwickeln Sie einen betrieblichen Ausbildungsstandard. Durch einheitliche Maßstäbe können Sie dauerhaft Ihre Ausbildungsqualität erhöhen. Ein Bestandteil davon, sollten schriftliche Anforderungsprofile für Ausbildungsbeauftragte sein, denn viele Ausbildungsbeauftragte wissen nicht, was genau ihre Aufgaben sind und was von ihnen erwartet wird. Das Anforderungsprofil sollte eine ausführliche Beschreibung der persönlichen und fachlichen Kompetenzen der Ausbildungsbeauftragten und die detaillierte Definition der Erwartungen umfassen.

Ebenfalls kann es hilfreich sein, die Rolle der Ausbildungsbeauftragten im Unternehmen aufzuwerten. Oft haben ausbildenden Fachkräfte das Gefühl, dass ihre Leistungen nicht (ausreichend) anerkannt werden, sondern als Selbstverständlichkeit genommen werden. Das kann nicht nur zu Unzufriedenheit führen, sondern macht es auch schwieriger zukünftige Ausbildungsbeauftragte für die Aufgabe zu begeistern.

Wenn Sie als Ausbildungsbetrieb regelmäßige Weiterbildungen anbieten, um die Kompetenzen der Ausbildungsbeauftragten zu erhöhen und einen Raum zum Erfahrungsaustausch über Abteilungen hinweg zu schaffen, unterstützen Sie damit Ihre ausbildenden Fachkräfte die Herausforderungen des Alltags zu meistern.

Bild von Ausbildungsbeauftragtem mit Azubi
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