Motivation von Auszubildenden fördern: Ein Leitfaden
Kennen Sie das Gefühl: Sie haben viel Zeit und Energie in die Vorbereitung einer Ausbildungseinheit investiert, doch Ihre Auszubildenden wirken desinteressiert und unmotiviert? Die Blicke schweifen ab, Fragen bleiben aus, und die Begeisterung scheint zu fehlen. Als Ausbilderin oder Ausbilder stehen Sie vor einer der größten Herausforderungen im Ausbildungsalltag: Wie können Sie die Motivation Ihrer Azubis dauerhaft fördern und aufrechterhalten?
Diese Situation ist alles andere als ungewöhnlich. Viele ausbildenden Personen kämpfen täglich damit, ihre Auszubildenden zu erreichen und für die Lerninhalte zu begeistern. Die Gründe für fehlende Motivation sind vielfältig: von persönlichen Herausforderungen über unklare Zukunftsperspektiven bis hin zu mangelnder Integration in das Tagesgeschäft. Die gute Nachricht: Motivation lässt sich gezielt fördern.
Mit den richtigen Strategien und einem fundierten Verständnis für die verschiedenen Arten der Motivation können Sie als Ausbilderin oder Ausbilder entscheidend dazu beitragen, dass Ihre Auszubildenden wieder Freude am Lernen entwickeln und ihre Potenziale voll ausschöpfen.
Intrinsische und extrinsische Motivation verstehen
Um die Motivation von Auszubildenden erfolgreich zu fördern, ist es wichtig, die beiden grundlegenden Arten der Motivation zu verstehen und gezielt einzusetzen.
Intrinsische Motivation: Der Antrieb von innen
Intrinsische Motivation entsteht aus den Auszubildenden selbst heraus. Azubis sind intrinsisch motiviert, wenn sie eine Tätigkeit aus eigenem Antrieb heraus ausführen, weil sie Freude daran haben, sich persönlich weiterentwickeln möchten oder einen tieferen Sinn in ihrer Arbeit sehen.
Beispiele für intrinsische Motivation
- Neugier und Interesse an den Lerninhalten
- Freude an der Tätigkeit
- Wunsch nach persönlicher Weiterentwicklung
- Streben nach Autonomie und Selbstbestimmung

Extrinsische Motivation: Äußere Anreize nutzen
Extrinsische Motivation wird durch äußere Faktoren ausgelöst. Hierzu gehören Belohnungen, Anerkennung, gute Noten, die bestandene Prüfung oder auch die Aussicht auf die Übernahme nach der Ausbildung.
Während extrinsische Motivation kurzfristig sehr effektiv sein kann, sollte sie langfristig die intrinsische Motivation unterstützen, nicht ersetzen.
Beispiele für extrinsische Motivation
- Lob und Anerkennung für gute Leistungen
- Zusätzliche Aufgaben oder erste Verantwortung für Tätigkeiten
- Aussicht auf Übernahme nach der Ausbildung
- Teilnahme an besonderen Projekten oder Schulungen
Praxisbeispiel: Motivation durch Eigenverantwortung
Ein Beispiel aus der Praxis zeigt, wie erfolgreich Motivation gefördert werden kann. In einem mittelständischen Industrieunternehmen war eine Auszubildende zur Industriekauffrau zunehmend demotiviert. Die täglichen Routineaufgaben langweilten sie, und sie fühlte sich nicht ausreichend gefordert.
Die Ausbilderin erkannte das Problem und übertrug der Auszubildenden die (Mit-)Verantwortung für die Organisation der jährlichen Azubi-Messe an dem das Unternehmen teilnahm. Plötzlich änderte sich alles. Die Auszubildende entwickelte eigenständig Ideen, koordinierte verschiedene Abteilungen und präsentierte regelmäßig ihre Fortschritte.
Die Messeteilnahme wurde ein großer Erfolg, und die Auszubildende hatte ihre Leidenschaft für projektbezogtes Arbeiten entdeckt. Durch die Übertragung von Eigenverantwortung wurde sowohl ihre intrinsische Motivation (Freude an der selbstständigen Arbeit) als auch ihre extrinsische Motivation (Anerkennung für den Erfolg) gestärkt.
5 Praxistipps für mehr Motivation im Ausbildungsalltag
1. Tipp: Klare Ziele setzen und Sinn vermitteln
Auszubildende brauchen ein klares Verständnis dafür, warum sie bestimmte Aufgaben erledigen und wie diese in den größeren Kontext ihrer Ausbildung passen. Erklären Sie nicht nur das „Was” und „Wie”, sondern vor allem das „Warum”.
Umsetzung des Tipps in den Ausbildungsalltag
- Zu Beginn jeder Aufgabe den Zweck und die Lernziele erläutern
- Verbindungen zwischen einzelnen Lerninhalten aufzeigen
- Regelmäßige Reflexionsgespräche über den Lernfortschritt führen
2. Tipp: Azubis individuell fördern und fordern
Jeder Auszubildende und jede Auszubildende bringt unterschiedliche Stärken, Schwächen und Interessen mit. Eine individuelle Betreuung und die gezielte Vermittlung der Inhalte ist entscheidend für nachhaltige Motivation.
Umsetzung des Tipps in den Ausbildungsalltag
- Regelmäßige Einzelgespräche zur Ermittlung von Interessen und Zielen
- Aufgaben entsprechend den individuellen Stärken vergeben und Stärken stärken
- Schwächere Bereiche gezielt mit zusätzlicher Unterstützung fördern
3. Tipp: Schrittweise Eigenverantwortung übertragen
Selbstbestimmung ist ein starker intrinsischer Motivator. Übertragen Sie Ihren Auszubildenden schrittweise mehr Verantwortung und zeigen Sie Vertrauen in ihre Fähigkeiten.
Umsetzung des Tipps in den Ausbildungsalltag
- Mit kleinen, überschaubaren Projekten beginnen
- Entscheidungsfreiräume bei der Umsetzung gewähren
- Fehler als Lernchancen betrachten und entsprechend kommunizieren
4. Tipp: Regelmäßiges Feedback und Anerkennung geben
Konstruktives Feedback ist eine Grundlage für die Motivation. Dabei ist es wichtig, sowohl Erfolge zu würdigen als auch Verbesserungspotenziale aufzuzeigen.
Umsetzung des Tipps in den Ausbildungsalltag
- Wöchentliche Gespräch für Feedback etablieren
- Lob anhand konkreter Beispiele aussprechen
- Verbesserungsvorschläge als Entwicklungschancen formulieren
5. Tipp: Abwechslung und neue Herausforderungen schaffen
Auszubildende werden durch immer die gleichen Aufgaben demotiviert. Sorgen Sie deshalb für Abwechslung im Ausbildungsalltag und bieten Sie immer wieder neue Herausforderungen.
Umsetzung des Tipps in den Ausbildungsalltag
- Einsätze in unterschiedlichen Arbeitsbereichen der Abteilung
- Azubis in besondere Projekte oder Aufgaben einbeziehen
- Teilnahme an externen Trainings oder Workshops ermöglichen
Nachhaltige Motivation als gemeinsame Aufgabe
Die Förderung der Motivation von Auszubildenden ist keine einmalige Aufgabe, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Erfolgreiche Motivation entsteht durch das Zusammenspiel von intrinsischen und extrinsischen Faktoren, individueller Förderung und einem unterstützenden Lernumfeld.
Denken Sie daran: Motivierte Auszubildende lernen nicht nur erfolgreicher, sie entwickeln auch eine stärkere Bindung zum Unternehmen und werden mit höherer Wahrscheinlichkeit zu wertvollen Fachkräften. Investieren Sie in die Motivation Ihrer Auszubildenden, denn es ist eine Investition in die Zukunft Ihres Unternehmens.
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