Der erste Tag – warum er so wichtig ist!

Der erste Tag – warum er so wichtig ist!

  • „Ich weiß gar nicht, warum die Dich eingestellt haben!“, sagte der neue Kollege zu Herrn E. Dieser war geschockt und nahm Platz an einem Tisch, auf dem lediglich zwei Stifte in einer speziellen Halterung stecken.
  • „Dass Sie mir ja nicht das Betriebsklima hier kaputt machen!“ sagte der Abteilungsleiter zu dem neuen Verkaufsleiter, als er am ersten Tag vor seiner Bürotür erschien.
  • „Ihr PC und Ihr Tisch sowie Ihr Stuhl ist noch nicht da, Sie können ja so lange noch im Nebenzimmer oder im Besucherbereich Platz nehmen!“ teilt die direkte Ausbilderin der neuen Nachwuchskraft mit, als diese sich in der Abteilung, in der sie ausgebildet werden soll, vorspricht.

Es ließen sich noch hundert andere Beispiele für einen „gelungenen“ Einstieg ins Berufsleben finden und interessanterweise haben viele Menschen so etwas schon erlebt.

Welche fatalen Folgen ein von Geringschätzung (statt von Wertschätzung) geprägter Empfang hat, kann sogar im funktionellen Magnetresonanztomograph (fMRT) nachgewiesen werden. Die Zentren (Belohnungs- und Emotionszentrum), die für die Ausschüttung von Endorphinen, Serotonin und Oxytozin (das wird auch als Bindungshorman bezeichnet und es ist sogar in der Muttermilch enthalten) verantwortlich sind, zeigen keine Aktivitäten; die gesamte Dopamin-Achse, die an diesen Prozessen maßgeblich beteiligt ist, kommt vollständig zum Erliegen.

Statt dessen macht ein anderes Hormon in der Blutbahn breit: das Stresshormon Cortisol. Und aus der Vertrauensforschung ist bekannt, dass die persönliche Einstellung zum Arbeitgeber, die Faktoren Engagament und Bindung sowie auch der Faktor Motivation entscheidend dadurch mit beeinflusst werden, wie die Qualität des Anfangskontakts ist bzw. vom Mitarbeiter wahrgenommen wird. Und hierzu gehört alles, was der Mitarbeiter in den ersten Tagen erlebt.

Leider wird daran auch bei der Einstellung von Auszubildenden häufig nicht gedacht. Die Folge ist, dass die jungen Menschen, die nach aktuellen Studien wie z. B. der Shell-Jugendstudie einen deutlicheren Bezug zu alten Werten haben, einen Praxisschock erleben. Nicht, dass sie mangelnde Wertschätzung bereits aus Schulen kennen gelernt haben, denn diese sind Musterbeispiele für „Nicht-Wertschätzungs-Kulturen“, sondern, dass sie erleben, dass Berufsausbildung nahtlos an das Schuldrama anschließt. Dabei haben sie doch gedacht, dass Berufsausbildung gefühlt etwas anderes sein muss als Schule.

Arbeitgeber, unabhängig von Größe und Branche, tun gut daran, sich im Vorfeld des Ausbildungsbeginns, aber auch bei einzelnen Wechseln der Ausbildungsstationen, aktiv Gedanken darüber zu machen, wie der Empfang sein soll. Ich kann hier nur für folgende plakative Aussage werben: „Begrüßen Sie nicht – machen Sie ein Event daraus!“.

Was genau Sie hier machen können, hängt von dem jeweiligen Betrieb und der Branche, auch von der Kultur des Hauses und den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Es kann ein gemeinsames Frühstück mit der Abteilung sein, es kann ein kleiner Ausflug mit den Auszubildenden des 2. und 3. Lehrjahres sein, ein Erkundungstour durch den Betrieb und die Außenstellen, ein buntes Flip-Chart-Blatt an der Tür mit der Aufschrift „Herzlich Willkommen Herr/Frau ……, schön, dass Sie hier sind. Wir freuen uns auf Sie!“, denkbar ist auch eine handgeschriebene Karte mit den besten Wünschen für die Ausbildung, und und und. Sie können kreativ werden ohne Ende, denn dem sind hier keine Grenzen gesetzt.

Sie können sich auch einfach von der Frage leiten lassen: „Was fände ich wahnsinnig wertschätzend, einfallsreich, witzig und so toll, dass ich es, wenn ich es erleben würde, jedem auf der Welt erzählen würde?

Gastbeitrag von Marco Weißer
Marco Weißer ist Geschäftsführer von effico – Institut für Aus- und Fortbildung, Hundsangen (Westerwald) und Buchautor des Bestsellers „Die selten beherrschte Kunst der richtigen Ausbildung – worauf es ankommt, was wirklich zählt“, 5. Auflage, Januar 2015, public book media-Verlag, Frankfurt am Main. Er ist Ausbildungsleiter, langjähriges Mitglied eines Prüfungsausschusses und veröffentlichte zahlreiche Beiträge zu Ausbildungsthemen.

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